Interviews & Artikel : GIUDA :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

GIUDA

Lost in space

Vor neun Jahren galten GIUDA als Sensation mit ihren mitreißenden Songs irgendwo zwischen SLADE, BUZZCOCKS und AC/DC. Damals brachten die Glam-Punkrocker aus der heiligen Stadt Rom ihr Debütalbum „Racey Roller“ über Dead Beat Records heraus, später dann über Damaged Goods. Die Band hatte sich zuvor aus den Trümmern der populären Punkband TAXI formiert. Jetzt haben die Italiener auf Rise Above Records ihr viertes Studioalbum „E.V.A. (Extravehicular Activity)“ veröffentlicht und zentrales Thema ist dabei das Weltall, wie Gitarrist Lorenzo Moretti uns erklärt.

Extravehicular Activity“ heißt übersetzt Weltraumspaziergang, also wenn ein Astronaut das Raumschiff verlässt. Warum ist das Weltall so ein großes Thema auf eurem neuen Album?


Science-Fiction und Weltraumreisen faszinieren uns natürlich schon lange. Aber abgesehen davon war es keine rein ästhetische Frage für uns, dass wir uns für dieses Thema entschieden haben. In der Kunst wurde das Weltall schon oft als Metapher für die Begegnung mit dem Fremden und Unbekannten verwendet. Rein geschichtlich betrachtet, befinden wir uns an einem Punkt, an dem die Angst vor der multikulturellen Gesellschaft und Überfremdung so groß ist wie noch nie. Die Angst vor fremden Kulturen ist viel größer als die Fähigkeit, die Begegnung mit anderen Menschen als Chance zu betrachten.

Wie denkst du über die aktuelle politische Situation in Italien? Ist das neue Album auch irgendwie ein Kommentar dazu?

Leider ist die Europäische Union schon geraume Zeit bestimmten wirtschaftlichen Mächten unterworfen. Ich glaube, dass die schlechte Politik der letzten Jahre dazu geführt hat, dass der vulgärste Populismus die Oberhand gewonnen und eine realistischere und konkretere Politik ersetzt hat. Allerdings wollen wir mit dem Album keine direkte politische Botschaft verknüpfen. Wenn du dir die Tracklist anschaust, wirst du aber feststellen, dass neben dem Weltraum auch Migration und die Reaktionen darauf die Hauptthemen des Albums sind.

Wie hat sich der Sound von GIUDA seit dem letzten Album „Speaks Evil“ weiterentwickelt?

„Speaks Evil“ ist Lichtjahre von unserem aktuellen Album entfernt. GIUDA haben inzwischen ein ganz neues Level erreicht. „E.V.A.“ ist eine sehr tiefgründige Platte mit Momenten, die ich als Proto-Disco mit Punk-Attitüde bezeichnen würde.

Wo, wie lange und mit welchem Produzenten habt ihr das Album aufgenommen?

So schnell wie mit „E.V.A.“ waren wir noch nie. Wir haben das Album in unserem eigenen Studio in Rom aufgenommen, wie alle unsere Platten. Produziert wurde es von mir und Danilo Silvestri, der auch unser Live-Mischer ist. Was die Produktion betrifft, ist es das Album, das uns bis jetzt am besten gelungen ist. Wir haben das über all die Jahre perfektioniert. Und ich kann euch versprechen, es wird absolut eine Freude sein, die neuen Songs auf Vinyl zu hören.

Ihr habt euch diesmal für ein komplett anderes Artwork entschieden. Das wirkt schon fast wie ein deutsches Krautrock-Album. Habt ihr bei „E.V.A.“ auch mit dem französischen Künstler Tony CrazeeKid gearbeitet?

Offensichtlich! Aber am Team hat sich nichts geändert. Tony ist nach wie vor verantwortlich für unsere komplette Grafik. Seine Arbeit ist ein absoluter Gewinn für uns und er bekommt von uns auch keine Vorschriften. Es kommt vor, dass ich ihm eine Idee vorschlage. Er ist und bleibt aber derjenige, der sie dann interpretiert, daran arbeitet und sie verwirklicht. Ich finde, das Cover passt perfekt zu den Songs des neuen Albums. Für diejenigen, die es als Vinylversion kaufen, gibt es im Inneren einige lustige Überraschungen. Mehr will ich jetzt aber noch nicht verraten.

Angefangen hat bei euch alles mit der Vorgängerband TAXI und 77er-Punkrock-Sound. Warum habt ihr euch vor zwölf Jahren als GIUDA neu erfunden und diesen massiven Glamrock-Einfluss in eure Musik eingebaut? Und woher kamen diese poppigen Momente?

Wir sind mit Punkrock aufgewachsen. Wir haben schon ziemlich früh damit angefangen, ich war gerade mal zwölf Jahre alt. Wir haben unzählige Stunden im Proberaum verbracht, dort hat auch alles begonnen. Leider fiel unsere erste Band TAXI nach dem plötzlichen Tod unseres Schlagzeugers Francesco auseinander. Nach diesem schrecklichen Ereignis war die Rückkehr ins Studio eine gute Gelegenheit für uns, sich wieder zu treffen und als Freunde zu begegnen. Wir wollten damals aber etwas völlig anderes anfangen, also haben wir „Racey Roller“ aufgenommen. Und diese poppigen Momente waren schon immer da. Sogar meine Lieblings-Punkbands haben eine poppige Ader.

Welche Bands oder Künstler hatten in dieser Zeit großen Einfluss auf euren Sound? SLADE? Suzi Quatro? Marc Bolan?

Natürlich, britische Musik war schon immer unser größter Einfluss. Neben den von dir genannten Bands sind es Künstler wie MOVE, IDLE RACE, THIRD WORLD WAR, HECTOR oder SLAUGHTER AND THE DOGS. Um nur ein paar Namen zu nennen. Die haben wir schon immer gehört.

Massiven Einfluss auf euren Sound hatten auch sogenannte „Junkshop Glam Bands“. Was ist das genau?

„JunkShop“ verhält sich zu Glam, wie „Killed By Death“ zu Punk. Es gibt viele Bands, die in den frühen Siebzigern wie die großen Kassenschlager klingen wollten. In diesen Jahren dominierten Namen wie SLADE, Gary Glitter oder SWEET die Charts. Es gab aber auch viele Bands wie SPIV oder IRON VIRGIN, die nur ein oder zwei Singles veröffentlicht haben. Das sind fast in Vergessenheit geratene Platten von Glamrock-Bands der Siebziger, deren erfolglose Platten nur in Mini-Auflagen veröffentlicht wurden und die so gut wie kein Airplay hatten. Solche obskuren Glamrock-Platten können inzwischen bei Vinyl-Liebhabern hohe Preise erzielen.

Euer letztes Album „Speaks Evil“ ist noch beim schwedischen Punkrock-Label Burning Heart erschienen. Warum habt ihr jetzt bei Rise Above unterschrieben, einem Label, das vor allem für Doom- und Sludge-Bands bekannt ist?

Es war einfach Zeit zu gehen. Unsere Beziehung zu Burning Heart war am Ende. „E.V.A“ wird in den Staaten über Burger Records und in Europa über Rise Above veröffentlicht. Es stimmt, Rise Above kümmert sich vor allem um musikalische Schwergewichte. Aber meine liebste Platte, die Labelboss Lee Dorrian je herausgebracht hat, ist von ROG & PIP, Roger Lomas und Pip Whitcher von der Freakbeat-Legende THE SORROWS. Das ist purer Pop.

Wie seid ihr mit Lee Dorrian in Kontakt gekommen?

Dazu gibt es eine lustige Geschichte. Vor Jahren habe ich nach einer unserer Shows in London in unserer Umkleide eine Platte und eine Nachricht von Lee Dorrian gefunden. „Hier ist die Platte, die euch versprochen hatte“, stand da geschrieben. Ich hatte keine Ahnung, wovon er sprach, also bin alle alten Mails und Textnachrichten von ihm durchgegangen. Und ich habe eine gefunden, in der er geschrieben hat, er würde sehr gerne eine Platte mit uns herausbringen. Also haben wir nach vielen Jahren Kontakt mit ihm aufgenommen und angefangen, mit ihm zu arbeiten. Er ist ein GIUDA-Fan der ersten Stunde.

Wie einfach oder schwer ist es, als Rockband in Italien zu überleben?

Ja, das ist in der Tat nicht so einfach in Italien. Hier können wir uns nicht auf irgendwelche staatlichen Hilfen verlassen wie in anderen europäischen Ländern, wenn wir eine Finanzspritze für ein neues Album brauchen. Wir können auf jeden Fall sagen, dass wir alles in unserer Karriere bis jetzt ohne fremde Hilfe erreicht haben, obwohl es manchmal ein harter Kampf war.

Wie wichtig ist euch euer Look? Mit Stiefeln, Poloshirts und akkurat geschnittenen Frisuren?

Wir waren schon immer eine Band, die sehr viel Wert auf Substanz gelegt hat, vor allem weil wir in einem Zeitalter leben, in dem das Image mehr zählt als die Musik. Trotzdem ist uns eine gewisse Ästhetik natürlich wichtig. Wir betrachten das als Teil unseres künstlerischen Konzepts. Nichtsdestotrotz ist es keine billige Kopie irgendeines Retro-Stils und es geht uns nicht darum, Working Class Heros zu imitieren. Das ist einfach unser echter sozialer Hintergrund.

Wolfram Hanke

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #143 (April/Mai 2019)

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