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Interviews & Artikel

BARONESS

Musik heilt alle wunden

Seit dem 15. August 2012 ist bei BARONESS einiges in Bewegung geraten. Vor sieben Jahren sind die Alternative-Metaller aus Savannah, Georgia mit ihrem Tourbus im englischen Bath von einem Viadukt neun Meter in die Tiefe gestürzt. Drei Bandmitglieder wurden dabei schwer verletzt. Unmittelbar danach sind Schlagzeuger Allen Blickle, Bassist Matt Maggioni und später auch noch Gitarrist Pete Adams ausgestiegen. Aber die Band kam zurück. Mit „Purple“ haben BARONESS im Dezember 2015 das erste Album auf dem eigenen Label Abraxan Hymns veröffentlicht. Und mit dem neuen Album „Gold & Grey“ will die Band mit weiteren Gewohnheiten brechen und künstlerisches Neuland betreten, erzählt Gitarrist und Sänger John Dyer Baizley im Ox-Interview.

Gold & Grey“ wird das letzte der sogenannten Farb-Alben von BARONESS sein, nach „Red“, Blue“, „Yellow & Green“ und „Purple“. Warum?


Wir wollten von Anfang an nur sechs nach Farben benannte Alben machen. Diese Entscheidung war eine Art Hommage an die traditionellen Künstlerfarben. Da gibt es die drei Primärfarben rot, gelb und blau und die Sekundärfarben orange, grün und violett. Das neue Album ist also eigentlich unser orangefarbenes Album.

Den Sound des neuen Albums hast du verglichen mit einem Mixtape. Was hast du damit gemeint?

Damit wollte ich ausdrücken, dass das Album nicht an eine bestimmte Idee gebunden ist, an einen bestimmten Sound oder ein bestimmtes Tempo. Der Sound der Platte ändert sich ständig. Das haben wir uns so vorgenommen. Bevor wir mit den Aufnahmen angefangen haben, haben wir über die Hörgewohnheiten des modernen Publikums diskutiert. Keiner macht sich mehr die Mühe, ein ganzes Album anzuhören. Wir wollten aber eine Band bleiben, die komplette Alben aufnimmt, die vom ersten bis zum letzten Track gehört werden. Deshalb ist unsere Strategie, das Ganze wie ein Mixtape klingen zu lassen, damit man sich nicht zu sehr an einen bestimmten Sound oder Rhythmus gewöhnt. So langweilt man sich nicht und skippt nicht gleich zum nächsten Track. Hoffentlich haben wir es geschafft, einen Spannungsbogen über 17 Tracks aufzubauen, so dass unsere Hörer bei uns bleiben und sich nicht ablenken lassen. Es ist einfach ein Versuch, unser Publikum dazu zu bringen, sich nicht nur die erste Single anzuhören.

Beim ersten Durchlauf sind mir sehr viele unterschiedliche Instrumente aufgefallen, die ich noch nie bei BARONESS gehört habe. Glocken, Klavier, Synthies, dazu jede Menge Stimmen. Woher kommt diese neue Vielfalt?

Das ist lustig, weil wir fast alle dieser Instrumente auf anderen Platten schon verwendet haben. Auf fast jeder Platte waren Klavier und Synthies zu hören. Und auf „Purple“ zum Beispiel habe ich auch jede Menge Glocken verwendet. Auf dieser Platte haben wir diesen Instrumenten im Mix aber viel mehr Platz eingeräumt. Sie sind viel deutlicher zu hören. Wir haben schon viele Platten gemacht, die vor allem von Gitarren dominiert waren. Diesmal hatten wir das Gefühl, dass wir inzwischen als Songwriter so gereift sind, dass wir diese Instrumente zulassen dürfen, weil wir es lieben, sie zu spielen. Damit sie unserem Sound eine ganz andere Note hinzufügen können. Deshalb gibt es auf der Platte jede Menge Glockenspiel, Klavier, Geigen oder Synthesizer. Außerdem haben Gina und ich viel mit unseren Stimmen experimentiert, um Bläser oder Streicher nachzuahmen. Wir haben viel herumgespielt im Studio. Damit der Hörer nie so genau weiß, was gerade passiert. Um ehrlich zu sein, weiß ich im Rückblick gar nicht mehr bei allen Sounds, wie sie genau entstanden sind. Es wird eine große Herausforderung für uns sein, all diese Klänge für unser Live-Set zu rekonstruieren.

Ich habe mich auch schon gefragt, wie ihr das alles auf der Bühne umsetzen wollt ...

Fast alles davon ist machbar auf der Bühne. Die Umsetzung hängt vor allem davon ab, welche Priorität welches Instrument genießt. Für mich haben die Vokal-Arrangements zentrale Bedeutung auf diesem Album. Und natürlich die Drums. Wenn also der Rhythmus und der Gesang der Songs passen, können wir den Rest unserer Energie auf alle anderen Instrumente verteilen. Wahrscheinlich werden diese Songs jeden Abend anders klingen für unser Publikum. Das sorgt auch bei uns in der Band dafür, dass uns selbst nicht langweilig wird.

Das neue Album ist mit einem neuen Line-up entstanden. Langzeit-Gitarrist Pete Adams ist ausgestiegen und wurde durch Gina Gleason ersetzt. Wie hat das im Studio funktioniert?

Das war unglaublich. Ich glaube, die Zeit im Studio war für alle eine fantastische und spannende Erfahrung. Wir haben eine Zeit erlebt, die uns teils sogar mystisch erschien. Es hat wirklich lange gedauert, die Songs zu schreiben. Die personellen Wechsel waren vielleicht schwerwiegender, als wir uns das selbst eingestehen. Deshalb hatte ich das Gefühl, dass wir mit dieser Platte auf keinen Fall Kompromisse eingehen dürfen. Weder in Bezug auf unsere künstlerische Vision noch was die Instrumentierung betrifft. Die Platte war auch erst fertig, als wir alle zu 100% damit einverstanden waren. So haben wir das nie gehandhabt in der Vergangenheit. Ich denke, kaum eine Band hat das bis jetzt so konsequent durchgezogen. Wir betrachten es als große Ehre und mit großem Respekt, dass wir die Zeit hatten, diesen Plan so umzusetzen. Ich bin auch allen in der Band sehr dankbar, dass sie sehr geduldig mit mir waren, weil ich mit dieser Platte wirklich etwas erreichen will. Ich wollte auf keinen Fall nur aus zeitlichen Zwängen etwas abbrechen, verzögern oder vorzeitig beenden. Wir haben jede Dringlichkeit ignoriert, diese Platte zu veröffentlichen, um diese Songs wirklich perfekt zu machen.

Wie lange hat es denn gedauert, die Platte zu schreiben, aufzunehmen und zu produzieren?

Das waren ungefähr zweieinhalb Jahre. Wir haben gleich nach Petes letzter Show mit BARONESS angefangen, Songs zu schreiben. Das war beim Roadburn Festival 2016. Wir waren in dieser Zeit aber auch viel unterwegs auf Tour, wir waren also nicht konstant mit der Platte beschäftigt.

Ist „Gold & Grey“ in deinen Augen weniger dunkel geraten, als „Purple“?

Ich denke, sie sind alle ziemlich düster. Das ist einfach die Art von Musik, für die ich mich über all die Jahre hinweg entschieden habe. Es geht immer um die Wendungen, die unsere Leben einfach nehmen. Es wäre schwierig für mich zu sagen, dass die Ereignisse von 2012 für mich erledigt sind. Das sind sie einfach noch lange nicht. Meine Platten bieten mir natürlich selbst eine Art Hilfe, diese Dinge zu verarbeiten. Ich kann einfach nicht aufhören, durch meine Musik zu erzählen, was ich gerade durchmache, damit alles endlich ordentlich verheilt.

Wie hat der Unfall dein Leben und die Band verändert? Und wie läuft dein Leben mit diesen Verletzungen jetzt?

Der Unfall hat die Band schlagartig komplett verändert. Zwei von uns haben die Band sofort verlassen und Pete ist dann eigentlich nur noch dabeigeblieben, damit es mir weiter gut geht. Er wusste immer, wie wichtig mir die Band ist. Auf lange Sicht betrachtet wollten Allen, Matt und Pete aussteigen und ihrem Leben eine neue Richtung geben. Für mich wurde nach dem Unfall die Richtung der Band zur Richtung meines Lebens. Die Band wurde also noch viel wichtiger für mich. Ein hoffnungsvolles, kreatives Werkzeug, um mit den körperlichen Verletzungen und den mentalen Folgen des Unfalls klarzukommen. Es gab keinen Grund für mich, die Musik von all diesen negativen Erfahrungen getrennt zu betrachten. Der Unfall hat meinen linken Arm so nachhaltig kaputtgemacht, dass ich das mit jedem Atemzug fühle, den ich mache. Seit der „Purple“-Tour habe ich erst richtig verstanden, was mir eigentlich passiert ist und wie sich dieser Unfall immer noch auf mich auswirkt. Rein körperlich hat sich also für mich seit dem Unfall nicht viel verändert. Die Situation mit meinem Arm hat sich nicht wirklich verbessert. Deshalb ist es für mich noch wichtiger, dass ich durch unsere Musik positive Veränderungen erreichen und vielleicht eine neue Heilungsmethode ausloten kann. Musik bietet mir den Freiraum, den ich brauche, um die chronischen Schmerzen und die psychischen Beschwerden ignorieren zu können. Oder wenigstens besser damit umzugehen.

Worum geht es inhaltlich in den Songs? Zum Bespiel bei der ersten Single „Borderlines“?

Alle Texte, die ich geschrieben habe, sind sehr, sehr persönlich. Jeden Abend, an dem ich diese Songs auf der Bühne performe, meine ich sie auch wirklich so. Viele meiner Themen sind sehr melancholisch, düster oder schwierig. Ich will meine Texte gar nicht konkret erklären, sondern unserem Publikum viel Raum für Interpretation lassen. Songs wie „I’d do anything“ oder „Broken halo“ sind da schon ein bisschen konkreter. Manchmal drücke ich mich konkret aus, manchmal spreche ich in Rätseln, aber immer geht es um Themen, die mir wichtig sind. Dinge, die mich oder andere in der Band gerade beschäftigten. Und natürlich spielen auch die Ereignisse von 2012 und die Folgen für mich eine große Rolle auch in den Texten.

Für „Gold & Grey“ hast du auch wieder ein großartiges Coverartwork gestaltet. Kannst du das Bild zumindest grob erklären?

Das ist noch schwieriger für mich, als über unsere Texte zu reden. Das Artwork ist entstanden, als die Musik fast fertig war. Deshalb habe ich kleine Ausschnitte aus den Texten ins Bild eingebaut, oder Erlebnisse, die ich hatte. Entgegen der Tatsache, dass es wirklich kompliziert aussieht und jede Menge Details aufweist, wollte ich meine Ausdrucksformen einfach fließen lassen. Wenn ich irgendeine neue Idee hatte, habe ich sie einfach ins Bild eingebaut, ohne groß darüber nachzudenken. In zehn Jahren könnte ich auf deine Frage wahrscheinlich viel besser antworten. Im Moment geht es ganz grob um die goldenen Aspekte der Platte, das Brillieren, das Leuchten oder die wertvollen Dinge, im Kontrast zur grauen Seite der Platte mit den melancholischen und stumpfen Aspekten. Es geht um die Balance zwischen diesen beiden Ideen in unseren Songs.

Du hast ja auch schon für andere Bands wie KVELERTAK, BLACK TUSK oder KYLESA großartige Artworks gestaltet. Arbeitest du gerade an einer anderen Auftragsarbeit?

Im Moment gar nicht, weil unsere neue Platte einfach zu viel Zeit in Anspruch nimmt. 2019 wird ein großes BARONESS-Jahr! Ich habe einfach gerade nicht die Zeit, die ich dafür bräuchte, um der Musik von anderen Künstlern genug Respekt einzuräumen und ein Plattencover für sie zu gestalten. Ich finde das ein bisschen traurig, denn ich habe große Lust, wieder für andere Bands aktiv zu werden.

„Gold & Grey“ ist das zweite Album auf eurem eigenen Label Abraxan Hymns. „Purple“ war das erste. Was war der Grund, ein eigenes Label zu gründen?

In unserem Zeitalter gibt es meiner Meinung nach für einen Künstler die Verpflichtung, das einfach auf eigene Faust zu versuchen. Auch wenn es eine unglaubliche Menge Arbeit ist. Niemand kann wohl besser mit der Musik meiner Band umgehen als ich selbst. Ich kann das aber nicht alles alleine stemmen. Das Team, das unsere Platten verkauft und vermarktet, sollte einfach unser Team sein. Nicht irgendein Label, das vielleicht völlig andere Interessen verfolgt. Alle, mit denen ich jetzt zusammenarbeite, sind Menschen, mit denen ich unbedingt zusammenarbeiten will. Ich kenne alle im Team und habe zu jedem ein persönliches Verhältnis. BARONESS waren schon immer eine Band, die auf einem sehr persönlichen Level operiert. Alle unsere Songs sind extrem persönlich, alle in der Band und unserer Crew betrachte ich wie Familienmitglieder. Deshalb ist es sehr wichtig für uns, diese Idee weiterzuführen.

Plant ihr eigentlich auch, Platten von anderen Künstlern auf eurem Label zu veröffentlichen?

Der Gedanke ist mir schon mal durch den Kopf gegangen. Aber solange ich den ganzen Prozess einer Veröffentlichung noch nicht besser kenne, möchte ich das nicht auf mich nehmen. Wir sind momentan extrem beschäftigt mit „Gold & Grey“ und ich könnte mich gerade auf kein anderes Projekt konzentrieren.

Im Sommer spielt ihr jede Menge Konzerte mit dem neuen Album in Süd- und Nordamerika. Ist auch geplant, dass ihr nach Europa kommt?

In naher Zukunft werden wir unsere deutschen Fans sehr glücklich machen. Ich kann aber noch nichts Konkretes verraten. Wir haben auf unserer letzten Tour schon ein paar neue Songs gespielt und es war wirklich fantastisch. Wir sind alle gerade sehr aufgeregt deshalb.

Wolfram Hanke

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #144 (Juni/Juli 2019)

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