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Interviews & Artikel

CELLOPHANE SUCKERS

Ich gebe zu, wenn man eine Band so zwischen zehn und zwanzig Mal live gesehen hat und man die Jungs auch alle Nase lang auf den einschlägigen Shows trifft, kann einem schon etwas die kritische Distanz abhanden kommen. Na und? Die CELLOPHANE SUCKERS sind nun mal eine der am härtesten rockenden Bands in diesen Breiten, ihre Konzerte jedesmal eine biergeschwängerte Rock´n´Roll-Zeremonie, und wenn dann auch noch ein neues Album Start ist (das Vinyl auf Radio Blast, die CD auf Subway), was ja selten genug der Fall ist (und auch so bleiben sollte, dann bleibt man immer schön hungrig), ist´s natürlich Ehrensache, mit den Jungs mal ein Gespräch unter Männern zu führen. Und so sprachen Mattes und Hauke zum Interview in der Ox-Residenz vor.

Ihr wart jüngst ein paar Tage mit den HELLACOPTERS unterwegs. Wie war das denn so, wie kam´s dazu?


Hauke:
Ich weiss auch nicht so recht: Mattes kam eines Tages an und meinte, wir würden jetzt Rockstars.
Mattes: Das hat Michael von Subway Records eingefädelt, dem Label, auf dem unsere CD erschienen ist. Sowas einzufädeln ist echt nicht einfach.

Bislang habt ihr´s mit solchen Rockbandmechanismen nicht so gehabt.


Hauke: Nee, aber es war ein schönes Erlebnis. Wir kannten das ja nicht, dass du in einem Club ankommst und da steht schon jede Menge Obst, Gemüse und Knabbereien für dich bereit. Fleisch natürlich auch, und man bekommt frische Handtücher und hat eigene Duschen für nach dem Auftritt.
Mattes: Jeder hat zwei eigene Monitorboxen, das ist schon was anderes.
Hauke: Das waren alles so Hallen für 600 bis 800 Leute, das ist weit weg von unserer normalen Welt.

Ich denke, um da hinzukommen, muss man ein anderes Verständnis von seiner Band haben, bereit sein, den Job aufzugeben und so weiter.

Mattes: Das denke ich auch. Wir haben das bislang so im Do-It-Yourself-Verfahren gemacht, in kleinen Clubs gespielt und so weiter. Und da dauert es ewig, bis du mal so weit kommst, in so großen Hallen zu spielen. Aber die Tour mit den HELLACOPTERS war klasse, wir kamen mit denen gut aus, es war eine nette Atmosphäre und vor allem sind die noch richtig normal und hatten keine Rockstarallüren. Wir durften immer an den Kühlschrank und uns neues Bier holen, hehe.
Hauke: Wenn du mit deiner Band richtig weiterkommen willst, musst du deine komplette Energie da reinstecken. Du hast dann keine Zeit mehr für einen richtigen Job, und das ist schon ein Sprung ins kalte Wasser. Von daher weiss ich nicht, ob das für uns je in Frage kommt.
Mattes: Dazu kommt, dass du noch jemand brauchst, der bereit ist richtig Geld in die Band zu investieren. Ansonsten kannste das vergessen.

Also die Erkenntnis, dass man vom Status der semiprofessionellen kleinen Punkband ohne richtig Geld nicht wegkommt.

Hauke: Ja, oder man ist so toll und talentiert, dass das von selbst passiert.
Mattes: Wobei ich mich frage, ob ich mir, was der andere Weg ist, die Zeit nehmen wollte, ein Jahr lang in jedem Kaff zu spielen, nur um bekannt zu werden.

Ich denke aber, dass ihr auch deshalb so gut ankommt, wenn ihr irgendwo spielt, weil das immer noch spontan und frisch kommt und nicht so abgezockt routiniert.

Mattes: Das klingt jetzt nach Glück im Unglück, hehe. Nein, also wir haben eben immer Bock drauf zu spielen, wir haben den Punkt noch nicht erreicht, wo du am Ende sagst, du MUSST jetzt spielen.

Bock auf Rock!

Mattes: Genau!
Hauke: Let´s fetz! Richtig schön wäre es für uns, wenn wir jemand hätten, der auch mal Sachen im Ausland für uns klarmacht. Das fände ich so richtig interessant.

Ihr habt ein neues Album am Start, und "Too much temptation" ist mal wieder ´ne richtige Steigerung an allen Fronten: Produktion, Songwriting, Variationsreichtum.


Hauke: Das ist deshalb so abwechslungsreich, weil wir die Songs über zwei Jahre angesammelt haben. Ansonsten wird man älter, verändert sich, wächst, naja, das merkt man auch selbst. Ausserdem hatten wir auch richtig viel Zeit, die Platte aufzunehmen, hehe, was Tom von Radio Blast sicher nicht so gerne hören wird.

Jaja, die Platte war ja ursprünglich für letzten Sommer angekündigt.

Mattes:
Unser altes Problem: mit einem Sänger, der in Berlin wohnt, kommt man halt zu nichts. Wir proben sowieso selten genug, und ohne Proben keine Aufnahmen.
Hauke: Wir wollten unsere Platte aber auch nicht unter Druck machen.
Mattes: Den Druck haben wir uns selbst gemacht, weil wir für die Tour mit den HELLACOPTERS die Platte fertig haben wollten: zum ersten Auftritt war sie fertig. Uns war für diese Platte wichtig, dass wir genug Zeit haben und uns auch genug Zeit lassen konnten. Es war zudem das erste Album, das wir nicht im Proberaum aufgenommen haben. So nahmen wir uns die ganze Woche zwischen Weihnachten und Neujahr Zeit.

Mit Christoph habt ihr ja einen versierten Studiotechniker in den eigenen Reihen, der zudem Teilhaber eines Studios ist.

Hauke: Ja, er teilt sich das mit zwei oder drei Leuten. Wir mussten da zwar schon was zahlen, aber es war nicht so teuer, wie das unter normalen Umständen geworden wäre. Christoph war sowieso derjenige, der am meisten Arbeit hatte mit der Platte und noch stundelang mit dem Abmischen beschäftigt war. Zudem hat er das Cover layoutet, der hatte echt am meisten Stress damit.

Ach ja, das Cover: Ist bei euch der Wohlstand ausgebrochen? Gold, Silber, ein spezialbeschichtetes CD-Booklet?

Mattes: Wir dachten uns, wenn schon, denn schon. Nein, eigentlich war das so, dass wir unter Zeitdruck waren, das Cover noch nicht fertig war und Christoph die Idee hatte, das so schön in Gold und Silber zu machen. Naja, er hatte leider nicht wirklich nicht daran gedacht, was das alles kostet... Aber da das alles auf den letzten Drücker passieren musste, hatten beide Labels keine Chance mehr, da noch Widerspruch einzulegen. Die haben nur einen Schwarz-Weiss-Entwurf zu sehen bekommen, hehe.

Was für Reaktionen gab´s denn bislang?

Hauke: Bislang nur positive!
Mattes: Wir haben auf der Tour mehr T-Shirts als Platten verkauft...

Ihr seid eine Band, die ich im Kontext von HELLACOPTERS, SUPERSUCKERS, ZEKE, TURBO AC´S, SOCIAL DISTORTION und so weiter sehe...

Hauke: Rockmusik halt.

Punk goes Schweinrock.

Hauke: Kann man so sagen. Aber wir machen das ja nicht extra, wir machen einfach, und zu dem, was dabei dann rauskommt, steht man natürlich auch. Wir denken uns da ja nichts aus, dass das so oder so klingt. Manchmal sind wir sogar selbst von uns überrascht, wenn wir was Neues ausprobieren und wissen nicht, ob das "geht", aber machen´s dann doch. Auf der neuen Platte haben wir ja auch mal so mit Orgeln rumprobiert und das Ergebnis ist schon sehr rockig, aber wir finden´s gut.
Mattes: Und ein Saxophon gibt´s auch, das haben wir selber eingespielt.
Hauke: Klar, jeder durfte mal und keiner konnte es, hehe. Das lag da so im Studio rum.

In diesem Bereich, in dem ihr euch bewegt, ist in letzter Zeit ja auch viel Scheisse rausgekommen: jede Kackband, die vor zwei Jahren noch Crossover oder Melodic-Punk gespielt hat, versucht sich jetzt am Rock...

Hauke: Das wird ja schon seit zwei Jahren kritisiert und diese Rockschiene wird sicher auch bald wieder vorbei sein. Ich denke, wir dürfen das aber, denn bei uns - ich sage das jetzt mal ganz arrogant - ist das eben so gewachsen. Wir machen das nicht, weil das jetzt angesagt ist, und wir haben auch früher nicht in Metalbands gespielt. Mir persönlich kommt in diesem Bereich auch zu viel raus, muss ich zugeben.

Wie läuft das denn bei euch so mit dem Songwriting?

Mattes: Das dauert alles seine Zeit. Einer kommt mit einer Idee an, wir spielen das instrumental, und wenn Markus mal aus Berlin kommt und dazu singt, geht die Sache dann wieder in eine andere Richtung.
Hauke: Man lässt sich auch von anderen Bands inspirieren, das läuft ganz unbewusst. Aber da das so lange dauert, bis ein neues Lied fertig ist, kommen sehr viele Einflüsse zusammen.

Von euch hört man ja die wildesten Stories, wenn ihr so auf Tour seid: von Leuten, die nackt auf der Kreuzung stehen...

Mattes: Das hab´ ich auch gesehen, harharhar.
Hauke: Das Problem ist, dass wir einzeln oder zu zweit harmlos sind, in der Gruppe aber richtig loslegen.
Mattes: Wie das halt so ist, wenn mehrere Pubertierende zusammen sind. Nein, schlimmer.

Was war euer peinlichstes Erlebnis auf Tour?

Hauke: Mann, das sind so viele. Das kann man alles gar nicht erzählen.
Mattes: Tom von Radio Blast hat viermal nacheinander den Bus abgewürgt, aber das ist nicht peinlich genug, um das werten zu können.
Hauke: Quatsch, wir sind viel zu cool für peinliche Aktionen.
Mattes: Peinlich ist mir nur, wenn ich am Tresen einschlafe.

Ist Bier noch eure bevorzugte Droge?

Hauke: In letzter Zeit war Wodka-Tonic sehr angesagt.
Mattes: Mein Ding ist Bier, und ab und zu halt Schnaps.

Wird man euch denn in nächster Zeit mal wieder öfter auf den Bühne sehen?

Hauke: "Nein, ich denke nicht, denn Markus wird in Berlin bleiben. Aber nach dem Ende seines Studiums hat er jetzt wieder etwas mehr Zeit, das ist schonmal viel wert."

Was sind die nächsten Pläne?

Mattes: Mal mehr im europäischen Ausland spielen. Wir waren im Dezember mit DOG TOFFEE und ELECTRIC FRANKENSTEIN in England unterwegs und das war schon klasse. Wir haben da unter anderem in Nottingham gespielt, bei unseren guten Freunden von Saddletramp Records, dem Label von Gary von den X-RAYS. Da haben wir echt gut gefeiert, wir haben gesoffen und alle hatten Spaß.
Hauke: Nett waren die überall zu uns, nur waren nicht unbedingt immer viele Leute da.

England soll ja sowieso eher die Rock-Diaspora sein.

Hauke: Ja, in der Hinsicht sieht´s da finster aus, von Nottingham mal abgesehen.
Mattes: Danach waren wir dann in London, in Camden im "Underworld". Das war auch ganz okay, ging aber extrem früh los und um Zehn war der ganze Spaß vorbei.
Hauke: Ja, und es war Sonntag, wir hatten kein Bier mehr und keine Pennplätze, mussten aber früh morgens die Fähre bekommen.
Mattes: Ich stand vor dem Schnapsladen, als der den Rolladen zumachte und mir kein Bier mehr verkaufen wollte. Mann, war das Scheisse. Um halb elf Feierabend. Und in den Nacht-Pubs kriegste kein Bier zum Mitnehmen...
Hauke: Ganz schlimm war der Auftritt in Birmingham bzw. so einem Vorort. Das war eine Schulaula aus den Sechzigern, mit Tischen im Hintergrund, und da saß dann die Dorfjugend und hat uns angeglotzt. Nur zwei Leute trauten sich vor die Bühne. Aber das ist wohl normal da, denn die haben trotzdem unsere Platten gekauft.
Mattes: Ansonsten haben wir ein paar einzelne Auftritte in Italien, der Schweiz, Belgien und Frankreich sowie Dänemark gehabt, aber das ist auch schon eine Weile her. Und natürlich in Bayern.

Sind denn mal wieder ein paar Singles von euch zu erwarten?

Mattes:
Die Split-7" mit den MOORAT FINGERS soll kommen, wobei die ihren Song schon seit zwei Jahren fertig haben - nur wir nicht. 20 Stone Blatt Records aus Schottland will ´ne Platte mit uns machen, aber dauert wohl auch noch. Es ist halt unser altes Problem, dass wir immer ewig brauchen, bis wir was Neues aufgenommen bekommen.
Hauke: Aber dieses Jahr wird´s noch was Neues von uns geben. Oder nächstes Jahr...?
Mattes: Und Ende des Jahres gehen wir nochmal richtig auf Tour.

Das sind doch mal gute Vorsätze - und mit denen beenden wir das Interview dann auch einfach. Danke, Jungs.

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #43 (Juni/Juli/August 2001)

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