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JEREMY TUPLIN

Pink Mirror

Es ist schwer, bei Jeremy Tuplins trübselig klagenden Bariton nicht direkt die mentale Brücke zum leider viel zu früh abberufenen Kevin Ayers zu schlagen. Und genau wie der Songschreiber aus der berüchtigten Canterbury-Szene komponiert Tuplin unverschämt eingängige Pop-Songs auf einem soliden Fundament aus Folkrock und poppiger Psychedelia.

Vieles hat hier neben den Bezügen zu Canterbury deutlich hörbare Parallelen zu den frühen BELLE AND SEBASTIAN, wobei diese ihre Schwermut stets mit einer guten Portion Schlagfertigkeit ausgleichen konnten, die manchmal sogar beinahe in guter Laune ausartete.

Jeremy Tuplin bleibt aber auf Albumlänge tendenziell Misanthrop und hoffnungsloser Romantiker, aus dieser Perspektive ist dann natürlich ein Vergleich mit dem depressiven Folkie-Fürsten Nick Drake nicht abwegig.

„Pink Mirror“, nicht nur der Titel deutet hier in Richtung Drake, ist ein starkes Debüt, Tuplin kann als Songschreiber sowie als ausdrucksstarker Performer mit eigensinnigem Material punkten und legt bereits zur Jahresmitte eines der erfreulichsten Alben 2019 vor.