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DONOTS

Heut ist ein guter Tag

Apokalypse als Aufbruch: Fünf Jahre nach „Lauter als Bomben“ kommt das Album, mit dem die DONOTS wie ein Fels in der Brandung den multiplen Krisen und allgemeinem Weltverdruss mit einem fröhlichen „Fuck you!“ trotzen. Gleich zwei Songs auf diesem Album enthalten die Zeile „Heut ist ein guter Tag“, sie scheinen eine eine inhaltliche Klammer zu bilden: Unsicherheit und Wehmut schimmern durch, im Vordergrund stehen aber Aufbruchstimmung und eine „Jetzt erst recht“-Attitüde. In den Texten wird die Apokalypse oft explizit erwähnt, dazu kommen Roboter, Zeitreisen und das Weltall. Vor dem Hintergrund wundere ich mich, ob es Zufall ist, dass das Album exakt 42 Minuten lang ist ... Die musikalische Marschrichtung wird schon im titelgebenden Opener deutlich: Elf Sekunden lang singt Guidos Tochter: „Das ist der Weltuntergang“ und verbreitet dabei so gute Laune, dass man direkt mitswingt. Voll Karacho geht es dann richtig los: „Auf sie mit Gebrüll“ katapultiert uns nach vorne und macht nicht nur Mut („Jede Mauer hat ’ne Tür, wenn wir es nur wollen“), sondern dazu auch richtig Bock. Wie man live zu dem Song durchdrehen kann, konnte letztes Jahr schon bei mehreren Gelegenheiten erprobt werden. Geht ganz gut. Ganz gut geht auch Guidos Gesang auf diesem Album, zum Beispiel beim wunderschönen, rotzigen „Augen sehen“. Erinnert beim ersten Hören an RANCID, hat aber einen ganz eigenen DONOTS-Charme und wird mit Sicherheit ein Publikumsliebling. Meiner ist es auf diesem Album auf jeden Fall. Auch gut gefällt mir das hypnotische „9 Leben“, das zu den vielleicht DONOTS-untypischsten Songs auf dem Album gehört. Jörkk von LOVE A hat hier Sprechgesang beigesteuert. Unterstützt werden die DONOTS auch an anderer Stelle, bei „Es tut nur weh, wenn ich lache“ von Sarah de Castro (BUBONIX, CONMOTO), die den Song noch einen Schwung mehr nach vorne schubst, sehr gelungen. In „Hey Ralph“, das 2022 schon oft live gespielt und vor dem Album veröffentlicht wurde, taucht neben verzerrten Gitarren auch ein kleines Synthesizer-Motiv auf, das den Song mit einer ganz eigene Note von Wehmut und Aufbruch unterstützt und ihm fast schon eine eigene Ebene hinzufügt. Wirklich ein sehr schöner Song und ein fast schon kitschiger Hoffnungsstrahl. Von mir aus könnten die DONOTS gerne mehr solcher Experimente in Sachen Sound und Songstrukturen machen und sich öfter vom gewohnten Pfad entfernen, auch wenn sie sich in der Position, die sie sich mit „Lauter als Bomben“ erarbeitet haben, vermutlich sehr wohl fühlen. Natürlich macht die Band auf diesem Album in erster Linie, was sie gut kann und wofür sie geliebt wird. Neben knackigen Punkrock-Brettern gibt es auf „Heut ist ein guter Tag“ genug Songs, bei denen man sehr gut mit tausenden Anderen „Aah-haa-ha“ und „Woo-hoo-ho“ singen kann. Auf dass es 2023 wieder viele solcher Tage gebe!