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CLASH

London Calling

Am 14. Dezember 1979 (in den USA erst im Januar 1980) erschien mit „London Calling“ das dritte Album von THE CLASH, und in den vierzig Jahren, die seitdem vergangen sind, ist wohl schon so ziemlich alles über diese Platte gesagt und geschrieben worden, was erwähnt werden musste.

In zig Listen der besten Rockalben aller Zeiten taucht der damals als Doppel-LP veröffentlichte Longplayer auf, und niemand – außer die Person ist auf Fundamentaloppositionskurs – würde wohl behaupten, „London Calling“ sei irrelevant.

Was mensch aber sehr wohl behaupten kann: dass THE CLASH mit diesem Album eigentlich eine gefällige Pop-Platte aufgenommen haben. Inhaltlich schossen sie natürlich scharf, aber die Musik – damals wie heute – ist mit ihrem breiten Stilmix, perfekter Produktion und extrem eingängigen Stücken schon so ziemlich der Gegenentwurf etwa zu „Fresh Fruit For Rotting Vegetables“ der DEAD KENNEDYS, das ein halbes Jahr später erschien.

THE CLASH: radio- und stadiontauglich – DEAD KENNEDYS: zynisch, scharf, aggressiv, unspielbar. THE CLASH konnte und kann jeder hören, der auch sonst Rockmusik hört, DEAD KENNEDYS haben auch heute noch das Potenzial, weniger punkaffine Menschen zum Abschalten zu bewegen.

Und genau wie die SEX PISTOLS waren THE CLASH eben auch Teil des Rockmusikbusiness inklusive aufwendiger Studioproduktionen – das exakte Gegenteil der armen Verwandtschaft, die mit Mini-Budget und unter DIY-Bedingungen aufnehmen musste.

Weshalb „Never Mind The Bollocks“ bis heute so gut klingt, weshalb „London Calling“ so gefällig ist. Was keine Wertung darstellt, aber ein Fakt ist. Und nicht ablenken sollte davon, dass THE CLASH ein Doppelalbum mit 19 Songs schufen, auf dem mindestens die Hälfte zu unsterblichen Klassikern wurde – man nenne mir eine Punkband aus den letzten zwanzig Jahren, der das geglückt ist.

In Sachen Songwriting hatten Joe Strummer und Mick Jones eine Menge verstanden und alles richtig gemacht. „London calling“, „Jimmy Jazz“, „Rudie can’t fail“, „Spanish bombs“, „Lost in the supermarket“, „Clampdown“, „The guns of Brixton“, „Death or glory“, „Lover’s rock“ ...

– es gibt endlos viele Bands mit mehr Platten und weniger Hits. Deshalb ist und bleibt „London Calling“ eine der drei wichtigsten Punkplatten. Kaum zu glauben, dass die jemand noch nicht hat.

Diese Neuauflage – Discogs listet 193 Versionen dieses Albums – kommt als Doppel-CD und Doppel-LP.