ACTING APES vs. JOHNNY ROCKET

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Battle Of The Bands

Die Punkabillys THE ACTING APES gibt es seit 2006. Irgendwo in der sachsen-anhaltinischen Provinz erblickte die Band das Licht der Welt. Das blieb nicht lange unentdeckt. Die ersten Gigs folgten bald. Schon 2008 kam der Sampler „Teenagers From Outer Space“ mit Songs von ihnen und im gleichen Jahr die erste selbstproduzierte EP „Facing The Facts“ heraus. Ihr vor kurzem erschienenes Debütalbum „Dirty Intentions“ auf Crazy Love Records hat einigen Staub aufgewirbelt. Für die Apes stieg Sänger, Gitarrist und Mastermind Johnny „Rocky“ Longneck in den Ring. Mal sehen, ob er mehr als Staub aufwirbeln kann ...

JOHNNY ROCKET dagegen gehen als deutliche Favoriten in den Infight. Immerhin ist gerade ihr zweites Album „Dance Embargo“ auf Wolverine Records erschienen. Mit ihrer EP „Who’s Your Daddy“ und ihrem Debütalbum „Pain Is Her Game“ haben die Punk’n’Roller die Latte hoch gelegt.

Die Rockets fahren nicht das übliche rotzige Punk’n’Roll-Schema, sondern setzen zusätzlich einen Kontrabass ein und greifen immer wieder auf Psycho- und Rockabilly-, Blues- und Country-Elemente zurück. Die Band besteht einzig aus der armen Band-Seele von Johnny Rocket, die sich vier Körper teilen muss. Deshalb stieg für JOHNNY ROCKET Johnny „Smokin’ Joe“ Rocket, die Masterseele und das Mastermind der Band, in den Ring.


Hinkampf: THE ACTING APES

interviewen JOHNNY ROCKET


Seit unserem letzten gemeinsamen Gig in Mainz ist ja einiges an Zeit vergangen. Ich weiß noch, euer Sänger war schon nachmittags gut unterwegs, hat aber abends eine einwandfreie Show hinterlegt. Danach war es etwas ruhiger um euch und jetzt seid ihr zurück mit neuem Album. Erzählt, wie ist es euch ergangen? Guckt ihr immer noch Pornos im Bandauto?

Stimmt, es war etwas ruhiger um uns. Ich denke, das lag daran, dass wir uns Anfang dieses Jahres stark auf unser neues Album konzentriert haben. Da gibt’s für gewöhnlich einiges zu tun, abgesehen von den Aufnahmen steht natürlich auch das Artwork an. Das hat sich bei uns irgendwie ganz schön hingezogen. Wie dem auch sei: Unser Album ist – so denken wir zumindest – soundtechnisch sowie optisch sehr gut gelungen, und jetzt werden wieder die Clubs gerockt! Pornos schauen wir natürlich nicht mehr. Wir haben uns ja inzwischen weiterentwickelt und sind erwachsener geworden ... Hähähä!

Wir haben „Dance Embargo“, euer neues Album, hier liegen. Es ist wieder in echt guter Qualität produziert. Die Aufmachung des Ganzen fiel mir gleich positiv ins Auge. Das sage ich nicht aus Schleimerei, es ist wirklich so. Was unterscheidet dieses Album rein musikalisch vom Letzten? Habt ihr euch weiterentwickelt? Was ist eure eigene Meinung über die Scheibe?

Danke für die Blumen. Ihr bekommt das nächste Mal einen Aufkleber gratis ... Zur Frage: Rein musikalisch ist es um einiges vielfältiger als unser Debütalbum. Während das doch eher durchgehend mit rotzigen Punk’n’Roll-Songs bestückt war, gibt’s auf „Dance Embargo“ mehr Abwechslung. Das Punk’n’Roll-Grundgerüst steht natürlich nach wie vor, aber der eine oder andere Song driftet mal Richtung Country, mal Richtung Rockabilly oder Blues ab.

Wir sind wohl beide Bands, die immer in Schubladen gesteckt werden wollen, aber ihr eigenes Ding machen und das mit Erfolg. Ich nehme an, der Titel „Fuck the scene“ handelt von Vorurteilen und Vorwürfen. Wir kennen das nur allzu gut, mögen Psychobilly genauso wie Punkrock. Bei euch klingt’s allerdings so, als ob ihr eher schlechte Erfahrungen mit der Psychobilly-Szene gemacht habt. Was sagt ihr dazu?

„Schlechte Erfahrungen“ wäre wohl zu viel gesagt, aber dieses Szene-Gedöns ging uns in der Vergangenheit doch schon ab und zu ziemlich auf die Eier. Nicht, dass wir prinzipiell was gegen Szenen haben, wir bewegen uns ja auch mehr oder weniger in einer und das ist auch gut so. Aber wenn man anfängt, seine Szene als das Einzige auf der Welt zu betrachten und das Ganze zu ernst zu nehmen, macht’s einfach keinen Spaß mehr. Und das betrifft nicht nur die Psychobilly-Szene. Zum Beispiel wurden wir nach einem Gig von zwei Rockabillys angelabert, wieso wir auf unsere Flyer draufschreiben, wir würden Rockabilly machen, unser Sound sei ja alles andere als das und der ginge ja mal überhaupt nicht. Die Penner waren richtig angepisst. Wir haben ihnen dann klar gemacht, dass wir nicht diejenigen sind, die die Flyer für unsere Konzerte gestalten, und noch nie behauptet haben, Rockabilly zu spielen. Ich meine, was soll die Scheiße? Gefällt einem der Sound nicht, geht man eben raus und trinkt ein Bier, bis die Scheißcombo endlich aufhört zu spielen. Aber einen auf Szenepolizei zu machen, ist doch nur lächerlich. Fast genauso wie die Tatsache, dass in manchen CD-Reviews die Anzahl der Tattoos eine Rolle bei der Bewertung der Musik spielt Ja, das ist genauso geschrieben worden. Wir machen jedenfalls unser Ding und wer’s nicht mag, soll daheim bleiben – genau das ist auch die Kernaussage des Songs.

Kommen wir zum wichtigsten Punkt. Was machen die Frauen? Wie viele BHs, die auf die Bühnen geworfen wurden, habt ihr im Proberaum? Wie viele Brüste wurden euch backstage ins Gesicht gedrückt, so dass euch die Luft wegblieb? Na ja, mal ernsthaft: Tatsächlich ist es alles halb so wild, oder sehe ich das falsch?

Es ist wirklich halb so wild, denn sind wir mal ehrlich: Wenn man als Band auf Tour ist, hat man zwangsläufig zwei entscheidende Probleme, die die nähere Bekanntschaft mit dem weiblichen Geschlecht nahezu unmöglich machen: Suff und Körpergeruch. Oder ist es genau das, was Frauen anzieht? Hm ...

Okay, als Letztes noch: Was war euer peinlichstes Erlebnis bei oder nach Konzerten. Wir wollen alles wissen!

Keine Ahnung, ich glaube, da gibt’s gar kein spezielles. Vielleicht das, wo irgendjemand auf den DVD-Player unserer polnischen Gastgeber gekotzt hat. Aber hey, da lief „Blondie Live“ – wenn das mal kein Grund ist ...

Rückkampf: JOHNNY ROCKET

interviewen THE ACTING APES


Irgendwer hat uns mal erzählt, eurer Basser hätte einen ganz speziellen Anmachspruch. Wir haben, glaube ich, schon in Mainz darüber geredet, aber wir wollen’s doch noch mal genau wissen: Kommt „Ich steh ja auf Angeln!“ – der sächsische Akzent kommt im Geschriebenen leider nicht so gut rüber – bei den Frauen wirklich gut an?

Ja. El Manuel hat wohl den krassesten Dialekt von uns allen Dreien. Na ja, sein Spruch mit dem Angeln war bisher ohne Erfolg. Ein anderer cooler Spruch war: „Hey, du siehst ja voll aus wie Peg Bundy“ ... und dann hat er gar nicht verstanden, dass sie das nicht so prickelnd fand. Hehehe. Aber wenn er das liest, haut er mir die Rübe ein. Also reden wir nicht weiter drüber.

Als Band kommt man nicht daran vorbei, mit anderen Bands verglichen oder gleich in eine Schublade im großen Schrank der Musikstile gesteckt zu werden. Also überlassen wir das mal euch selbst: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben und was hat euch dazu bewogen, genau diesen Sound zu machen?

Ach, wie ich die Frage hasse. Keine Ahnung, was wir machen. Klar haben uns die Jahre davor, als wir Punk gespielt haben, geprägt. Wir sind aber auch Fans von Psychobilly, wenn er nicht 08/15 ist. Mein innerer Schweinehund sorgt dafür, dass wir immer etwas „andere“ Songabläufe haben und teilweise auch etwas verwirrende. Aber um die Frage zu beenden: Wir machen Punkabilly oder wie es mal hieß: „Gegen alle Regeln“-Billy.

Beim Song „Second choice“ von eurem neuen Album bekommt Johnny Unterstützung von Kitty Casket, mit deren Band KITTY IN A CASKET wir mal in Graz auftreten durften. Wie kam es dazu?

Ja, die Sache mit Kitty ... Wir waren damals Support, als sie ihren ersten Gig hatten. Seitdem sind wir gut mit der Band befreundet. Im Studio stellte sich dann heraus, dass die Textstelle, die nun Kitty singt, von uns nicht machbar war und von einem Mädel gesungen auch inhaltlich besser passen würde. Ich habe sie gefragt, sie hat Ja gesagt und das Ergebnis ist echt cool. Wir haben den Song auch schon zusammen auf der Bühne mit ihr gespielt.

Zur Abwechslung mal eine sehr tiefgründige Frage: Was würdet ihr sagen, ist das schönere Gefühl: auf Tour zu gehen oder wieder nach Hause zu kommen?

Ich schätze mal, eure Antwort darauf wäre dieselbe. Also, auf Tour gehen, das fetzt. Anfangs ist man noch frisch und guter Laune, spielt die Shows und am besten ist wirklich immer die Aftershow-Party. Es ist echt fast jedes Mal ein Erlebnis für sich. Die Leute, die einen an der Bar zuquatschen, wenn man eigentlich nur nach Mädels Ausschau halten will. Oder wenn durch Schlafmangel alle durchdrehen und dadurch die bescheuertsten Gespräche zustande kommen. Aber auf der anderen Seite: Schon nach ein paar Tagen ist man echt im Eimer und man freut sich auf ein warmes Bad zu Hause, und oder auch vielleicht auf die Frau, die auf einen wartet.

Und zu guter Letzt: Was sind eure Pläne für die Zukunft? Geht ihr ordentlich auf Tour? Und wann kommt ihr endlich mal ins schöne Schwobeländle?

Im Moment ist es etwas ruhiger. Wir mussten den Proberaum wechseln. Planen eine neue Scheibe für Anfang 2011 und brauchen auch erstmal ein bissel Zeit wieder für uns. Die letzten Jahre waren wir meist zwei oder drei Wochenenden im Monat unterwegs. Nun ja, wir hatten letztens einen vielversprechenden Gig gehabt und wenn alles gut läuft, sind wir nächstes Jahr bei einem Riesending dabei. Aber das wird erst verraten, wenn es amtlich ist. Zur neuen Scheibe: Es wird eine EP, nur auf Vinyl und limitiert. Wir werden uns von der abgedrehtesten Seite zeigen. Keine Pop-Songs, aber dafür alles sehr wild.