KID KAPICHI

Foto© by Gavin Watson / Monkey Chops Photography

Radikale Wende

Großbritannien geht den Bach runter und alle schauen zu – keineswegs. KID ­KAPICHI sind angetreten, um lautstark ihre Meinung zu sagen. Wieso es aber neben Kritik an der Regierung und Empowerment der Bevölkerung auch etwas Nostalgie braucht, erklärt uns Frontmann Jack Wilson.

Mein erster Gedanke, als ich Play gedrückt habe und das Album mit „Artillery“ losging, war: Alles klar, KID KAPICHI sind angepisst! Obwohl es keineswegs ein ausschließlich wütendes Album ist, wie kommt es, dass ihr den Sound auf „There Goes The Neighbourhood“ härter ausgerichtet habt?

Es freut mich, dass der Song dieses Gefühl auslöst. Er ist gezielt so geschrieben, dass er sofort aufs Ganze geht und keine Gefangenen macht. Aber wir entwerfen ein Album nicht am Reißbrett – nach dem Motto: vier harte Songs, vier Pop-Songs und zwei Balladen. Wir schreiben, was sich für uns richtig anfühlt, und die besten Sachen, die dabei herauskommen, landen dann auf der Platte.

Im Pressetext wird euer Album als Schlachtruf gegen das „Grey Britain“ beschrieben, kannst du diesen Begriff für euer nicht-britisches Publikum erklären?
Großbritannien hat in den letzten eineinhalb Jahrzehnten riesige Rückschritte gemacht. Es wurden viele schreckliche Entscheidungen getroffen, die die Zukunft vieler junger Menschen maßgeblich beeinflussen. Entscheidungen, wie sie nie zur Debatte stehen sollten. Das Vereinigte Königreich kann ein düsterer Ort sein für Menschen, die mühsam versuchen, sich über Wasser zu halten, während nicht nur die Mietpreise immer weiter steigen. Unsere Regierung gibt die Schuld an allem stets die ärmsten und vulnerabelsten Teilen der Bevölkerung. Es ist ein Schlachtruf, denn die Regierung wird uns nicht helfen. Sie sorgen nur für Spaltung und Feindseligkeit. Wir brauchen eine radikale Wende und die kann nur von der Bevölkerung kommen.

Neben diesen sehr politischen Stücken finden sich auch leichtere, sogar lustige Lieder auf dem Album, wie zum Beispiel „Tamagotchi“ oder „Subaru“. Unterscheidet sich die Herangehensweise an einen lustigen Song von der an einen wütenden?
Genauso wie unsere Hörer brauchen auch wir manchmal eine Pause von der ganzen Weltuntergangsstimmung. Die kann einen schon ziemlich leicht runterziehen. Manchmal schreiben wir auch einfach gerne etwas Nostalgisches oder über Freundinnen mit grusligen Brüdern. Wir brauchen diese Songs zur Auflockerung.

Der letzte Track, „Jimi“, sticht musikalisch stark heraus, wie kam es dazu?
„Jimi“ ist ein Song über einen guten Freund von uns, den wir vor zwei Jahren verloren haben. Es ist ein Song, den ich seither schon immer schreiben wollte. Eines Tages haben Ben und ich uns zusammengesetzt, wir haben den Song in einer Session geschrieben und aufgenommen. Es war fast, als hätten wir den Song nicht wirklich geschrieben, sondern uns vielmehr an ihn erinnert. Wir haben ihn aufgenommen, nur Gesang und Gitarre, wir haben beschlossen, das ist alles, was der Song braucht. Diese rohe Form hat sich wie etwas Besonderes angefühlt.