KOREY KINGSTON HORN (GOGOL BORDELLO, HEPCAT, THE AGGROLITES ...)

Foto© by Christoph Lampert

My Little Drummer Boy Folge 82

Drummerboy dieser Ausgabe ist der Kalifornier Korey Horn, dessen Drumstil sich durch eine enorme Vielseitigkeit und Flexibilität auszeichnet, was in den letzten Jahren den Sound seiner derzeitigen Band GOGOL BORDELLO nicht unwesentlich geprägt hat. Koreys musikalischer Werdegang wurde in der Kindheit vom Jazz seines Vaters geprägt und obwohl er sich später mehr für Punk und Ska interessierte, sind es doch die Feinheiten des Jazz, die seinen Stil so besonders machen. Korey stand uns vor einem Konzert in Braunschweig Rede und Antwort.

Korey, erzählt man sich in deiner Familie Geschichten, dass du schon als kleiner Junge auf allen Dingen herumgetrommelt hast?

Oh ja, das ist ein wichtiger Teil meiner Kindheit. Meine Eltern dachten zum Ende der Schwangerschaft, dass ich nicht lebendig zur Welt kommen werden würde und meine Mutter hatte wirklich Angst vor einer Fehlgeburt, weil ich mich in ihrem Bauch für eine lange Zeit einfach nicht bewegt hatte. Dann sind meine Eltern eines Abend ausgegangen und als meine Mutter in der Disco an den Lautsprechern vorbeiging, bewegte sich mit einem Mal etwas in ihrem Bauch. Sie rief sofort meinen Vater und beide konnten es nicht fassen, dass es im Bauch plötzlich so heftig rumorte. Sie haben mich schon sehr früh zu den Konzerten seiner Band mitgenommen. Ich merkte aber gar nicht, dass mein Vater in der Band spielte, weil ich immer total fokussiert auf den Schlagzeuger war. Da war ich so drei oder vier Jahre alt und habe schon auf allen möglichen Dingen herumgetrommelt.

Hast du als Kind Unterricht auf anderen Musikinstrumenten gehabt?
Nein, da war wirklich kein Interesse an anderen Instrumenten vorhanden. Für mich war das Schlagzeug immer mehr als nur ein Instrument, das man einmal in der Woche beim Musikunterricht erlernt und dann zu Hause noch ein bisschen übt. Schlagzeugspielen ist ein Teil meiner Persönlichkeit, der immer da ist und der meinen Weg bestimmt. Die Rhythmen in mir wollen einfach herausgelassen werden, und wenn ich nicht trommeln kann, fehlt in meinem Leben etwas. Als ich fünf Jahre alt war, verließ mein Vater seine damalige Band und der Drummer holte sein Schlagzeug bei uns zu Hause ab. Ich hatte also nichts mehr, worauf ich trommeln konnte, und das war für mich eine Katastrophe. Dieses Schlagzeug hatte immer bei uns im Keller gestanden und ich habe als Kleinkind immer versucht, mich heimlich in den Übungsraum zu schleichen. Meine Mutter ermahnte mich zwar, dass ich das nicht dürfte, weil das Drumset kein Spielzeug sei, aber immer wenn sie nicht hinschaute, saß ich sofort wieder dahinter, um zu spielen. Irgendwann hat sie es aufgegeben und mir dann sogar die Trommeln niedriger eingestellt, damit ich überall herankommen konnte. Im Alter zwischen fünf und zehn Jahren hatte ich also kein Schlagzeug und musste improvisieren. Da habe ich Schlagzeuge aus Töpfen, Kisten, Kissen und sonstigen Dingen zusammengestellt, um irgendwie Rhythmen spielen zu können.

Wann hast du dein erstes eigenes Drumkit bekommen?
Irgendwann bin ich zu meinem Vater gegangen und habe ihn gefragt, ob ich ein Schlagzeug bekommen könnte, aber er wollte erst sicher gehen, dass es mir ernst war und es sich bei meiner Trommelei nicht nur um irgendeine Phase handelt. Zu dieser Zeit war meine zweite Lieblingsbeschäftigung das Radfahren und ich habe dann mein Fahrrad verkauft, um mir ein Schlagzeug kaufen zu können. Da erkannte mein Vater, dass es mir wirklich ernst war. Ich durfte aber erst nach den Hausaufgaben und auch nur bis 20 Uhr spielen. Also habe ich nach der Schule so schnell wie möglich die Hausaufgaben erledigt und bin dann bis 19:59 Uhr in die Garage meiner Eltern zum Schlagzeugspielen verschwunden. Ich habe die Schallplatten meines Vaters aufgelegt, die Anlage voll aufgedreht und dazu getrommelt. Mit zwölf oder dreizehn habe ich mit Freunden meine erste Ska-Band gegründet. Ich habe auch viel Punk gehört, aber Punk war damals noch zu schnell für mich, um dazu trommeln zu können. Mein Equipment war auch nicht besonders toll. Weil ich keine Beckenständer hatte, musste ich einen alten Mikrofonständer meines Vaters umfunktionieren, um meine kaputten Becken darauf schrauben zu können. Mein Vater hat dann gemerkt, dass etwas passieren musste, und ein Freund von ihm hat mir sein altes Rogers-Schlagzeug mit richtigen Becken geliehen, auf dem sozusagen alles angefangen hat.

War das nicht manchmal frustrierend, als Anfänger die Songs großer Drummer nachspielen zu wollen?
Ja, das war es wirklich, aber eigentlich war es mir auch egal. Ich wollte einfach nur trommeln, und es war für mich eine ganz natürliche Entwicklung, die Rhythmen rauszulassen, die in mir drin waren. Das änderte sich, als ich auf die Highschool kam. Da traf ich in der Umkleide einen Jungen, der eine Jacke mit Aufdruck der Beckenfirma Sabian trug. Ich sprach ihn an und erzählte ihm, dass ich auch Schlagzeuger sei, woraufhin er erwiderte, dass sein Vater ein professioneller Musiker ist, der schon für B.B. King und THE MANHATTAN TRANSFER getrommelt hätte. Das fand ich cool und habe die Geschichte gleich meinem Vater erzählt. Der kannte zwar Art Rodriguez nicht, meinte aber, ich solle ihn mal wegen Unterricht fragen. Also habe ich gleich am nächsten Tag den Typen in meiner Schule gefragt, ob sein Vater mir Stunden geben würde. Der Sohn hieß übrigens Jules Rodriguez, ist heute auch professioneller Drummer. Jules hat mich dann zu sich nach Hause eingeladen, um zusammen Schlagzeug zu spielen. Das war der Moment, in dem ich begriff, dass ich vom Schlagzeugspielen im Grunde gar keine Ahnung hatte. Dieser Junge war mir um Lichtjahre voraus. Er konnte alle Basics, alle Zählzeiten, Notierungen und die verschiedensten Rhythmen, und ich verstand gar nicht, wovon er redete. Als ich anfing, bei seinem Vater Unterricht zu nehmen, eröffnete sich mir eine ganz neue Welt. Ich habe bei ihm Notenlesen und alle Grundlagen von der Pike auf gelernt. Art Rodriguez war ein fantastischer Jazz-Drummer und ich habe dann auch angefangen, in der Jazz-Band unserer Highschool zu spielen. Zu dieser Zeit war ich großer Ska-Fan und habe versucht, unsere Jazz-Bigband in eine Ska-Bigband zu verwandeln, aber mit diesem Versuch war ich leider nicht besonders erfolgreich.

Gab es in deiner Jugend Schlagzeuger, denen du nachgeeifert hast?
In meiner Highschool-Zeit war Tim Alexander von PRIMUS mein größtes Vorbild. Mein Vater konnte das nicht verstehen, weil er der Meinung war, „Herb“ sei ein wirklich schlechter Drummer. Er nahm mich dann mit auf eine Musikmesse der NAMM, der National Association of Music Merchants, wo er mir berühmte Drummer wie Tony Williams und Dennis Chambers vorstellte, aber ich kannte diese Typen nicht und wollte immer nur Tim Alexander hören. Das konnte er wirklich nicht verstehen und war total verzweifelt. Das war zu einer Zeit, als „Gospel Chops“ sehr populär wurden. Thomas Pridgen war damals gerade einmal sieben Jahre alt und ein Monster-Schlagzeuger, Ronald Bruner war auch erst sieben und schon unglaublich gut. Ich hatte noch nie jemanden so Schlagzeug spielen sehen und wusste nicht, dass man so ein Level überhaupt erreichen kann. Da war mein Interesse geweckt und ich habe Jazz-Drummer wie Billy Cobham und Vinnie Colaiuta für mich entdeckt, die in meiner Jugend zu meinen großen Idolen zählten.

Wann hast du angefangen, in Bands zu spielen?
Als ich 14 war, begann ich, das Schlagzeugspielen etwas ernster zu nehmen. Ich hatte Unterricht und spielte in der Schulband, aber mit 15 hatte ich meinen ersten wirklichen Gig und das war mit einer klassischen Country & Western-Band. Ich mochte zwar die Musik nicht besonders, aber ich habe eine Menge über Disziplin gelernt. Man muss diese Musik sehr authentisch spielen, das richtige Gefühl dafür entwickeln, sonst kommt man nicht weiter, und wenn man immer nur Doublebass spielen will, so wie ich damals, ist man mit Country & Western auch schlecht beraten. Immerhin habe ich vier Jahre in dieser Band gespielt und im Laufe der Zeit kamen noch Blues-Bands dazu, so dass ich manchmal vier Abende in der Woche Gigs zu spielen hatte. Mein Vater musste mich immer zu den Gigs fahren, und wenn wir in einer Bar spielten, musste er in den Pausen mit mir vor die Tür gehen, weil ich als Jugendlicher eigentlich keinen Zutritt zu Bars, Clubs etc. hatte. Zu Hause hörte ich aber ganz andere Musik und wollte unbedingt in einer Ska-Band sein. Also habe ich mit Freunden eine eigene Band gegründet, mit der wir eine Mischung aus Ska und Punk gespielt haben. Wir wollten irgendwie wie OPERATION IVY klingen und meine Eltern fanden das gar nicht gut. Ska mochten sie zwar, weil er ein bisschen nach Jazz klang, aber diese rebellische Punkmusik war ihnen irgendwie suspekt.

Hast du damals schon die Idee gehabt, professioneller Drummer zu werden?
Meiner Mutter wurde das alles irgendwann zu viel und sie fand es gar nicht gut, dass ich jeden Abend in irgendwelchen Kneipen spielte und dann tagsüber müde war. Sie war der Meinung, ich sollte lieber einen vernünftigen Beruf erlernen. Die Idee professioneller Schlagzeuger zu werden, kam mir, als ich gemeinsam mit dem erwähnten Jules Rodriguez einen Kurs an der Schule belegte, in dem wir eine Hausarbeit darüber schreiben sollten, was wir einmal werden wollen. Ich hatte keine wirkliche Idee und dachte mir, ich könnte ja Farmer werden. Also habe ich Landarbeiter bei uns in der Gegend befragt und darüber geschrieben. Jules wollte damals schon Drummer werden und hat einfach seinen Vater und befreundete Schlagzeuger interviewt. Da war ich völlig aus dem Häuschen, denn auf die Idee, dass man von Beruf Schlagzeuger sein könnte, wäre ich von selbst nie gekommen. Von da an hat sich dieser Wunsch in meinem Kopf festgesetzt.

Mit welcher Band bist du zuerst auf Tour gegangen?
Das war schon vor THE AGGROLITES mit einer Band namens THE RHYTHM DOCTORS, bei der auch schon Jesse und Brian dabei waren, mit denen ich später THE AGGROLITES gegründet habe. Das waren aber noch keine großen Touren, sondern eher regional auf die Westküste zwischen San Francisco, San Diego und Los Angeles begrenzt. Mit THE AGGROLITES bin ich das erste Mal an die Ostküste geflogen und das kam uns schon wie eine Weltreise vor, weil wir plötzlich so weit weg von zu Hause waren. Mit der Band war ich auch das erste Mal in Europa und das waren wirklich unvergessliche Erfahrungen für uns. Zu dieser Zeit hatte ich auch das erste Mal den Gedanken, meinen Lebensunterhalt wirklich als Schlagzeuger zu verdienen. Ich hatte ja auf Anraten meiner Mutter einen anständigen Beruf gelernt und war als Projektleiter im Straßenbau beschäftigt. Zwischen den Touren war ich also immer wieder in meinem Straßenbaujob tätig, aber als es mit der Musik immer mehr wurde, hat meine Firma mir gekündigt, weil ich einfach zu selten da war. Das war mir aber irgendwie egal, weil die Band gerade dabei war durchzustarten und wir dachten, wir können als Musiker alles erreichen. Wir hatten gelernt, was es bedeutet, mit dem stressigen Tourleben zurechtzukommen, und wollten genau das.

Wann bist du auf die Idee gekommen, selbst Schlagzeuglehrer zu werden und die Drum Brigade zu gründen?
Ich werde dir was verraten: Ich brauchte einfach Geld. Das war ein sehr langwieriger Prozess, weil ich zunächst gar nicht die Kenntnisse hatte, die man braucht, um zu unterrichten. Ich dachte mir zwar, dass ich ohne viel theoretisches Wissen recht weit gekommen war und meinen spezifischen Musikstil auch ganz gut vermitteln könnte, aber mir fehlte einfach das Grundwissen. Ich hätte Schülern nie beibringen können, warum ihre Handhaltung schlecht ist oder weshalb sie mit dem Fuß so nicht schneller werden, weil ich bei den technischen Grundlagen selbst noch zu viele Defizite hatte. Ich musste erst verstehen, dass man als Musiker das Rad gar nicht neu erfinden muss, sondern sich jeder individuelle Stil daraus zusammensetzt, was man sich bei anderen Musikern abgeschaut hat. Prince hat sich ja auch viel von James Brown abgeguckt und hat daraus seinen eigenen Stil kreiert. Der Mix aus verschiedenen Einflüssen macht also deinen eigenen Stil aus und genauso wird jeder Lehrer unterschiedliche Vermittlungsmethoden einsetzen, obwohl ja alle dieselben Bücher gelesen haben. Es war also gar nicht schlimm, dass ich mich bei meinen alten Vorbildern bedient habe und über die Jahre daraus meinen persönlichen Stil entwickelt habe. Zu Beginn war Drum Brigade auch noch keine Schule, sondern vielmehr ein Lifestyle-Brand. Ich habe Drumsticks, Gigbags und T-Shirts produziert und einen Podcast gestartet. Dann habe ich angefangen zu unterrichten und ich habe immer Wert darauf gelegt, die Schüler langfristig zu unterrichten, um sie nicht zu überfordern. Das Projekt ist ja bis heute eine echte „One-Man-Show“, weil ich derjenige bin, der die Flyer aufhängt, Visitenkarten verteilt, Eltern anspricht und am Ende auch den Unterricht gibt.

Band und Unterricht, wie hängen die zusammen?
Ich achte immer sehr darauf, die Drum Brigade School und meine Band möglichst voneinander getrennt zu halten Ich will den Leuten nicht gleich auf die Nase binden, dass ich der Drummer von GOGOL BORDELLO bin. Ich stelle mich einfach nur als Korey vor. Neulich hat mich einmal ein Schüler gefragt, wie meine Band heißt, und mir anschließend ganz aufgeregt verraten, dass er mich in einer Fernsehshow gesehen hat. Das mit dem Unterrichten funktioniert nach dem Schneeballprinzip, indem Schüler von mir ihren Freunden erzählen, dass sie Schlagzeugstunden nehmen, und diese dann neugierig werden. So wurde der Kreis meiner Schüler langsam, aber sicher immer ein bisschen größer. Irgendwann hatte ich so viele Schüler, dass es mir zwar noch Spaß machte, ich mich aber schon ziemlich ausgebrannt fühlte. Mir wurde alles zu viel und ich war an dem Punkt, an dem ich einen weiteren Lehrer hätte einstellen müssen. Doch dann kam die Corona-Pandemie und alles war anders. Da hatte ich die Idee, ein Online Teaching namens „Chops & Coffee“ ins Leben zu rufen, das ich jeden Montag und für jeden öffentlich zugänglich angeboten habe. Während der Pandemie haben wir diese Kurse sogar dreimal pro Woche durchgeführt. Immer morgens um acht Uhr als Aufwärmübung für den Tag. Dieses Angebot war so erfolgreich, dass sich plötzlich Anfänger, Fortgeschrittene und Schlagzeuglehrer online trafen, zusammen jammten und sich locker miteinander austauschten. Mir selbst gab diese Geschichte einen großen Schub für mein Selbstvertrauen, denn jetzt unterrichtete ich Lehrer, und ich wusste, wenn ich Lehrern etwas beibringen kann, dann kann ich jeden unterrichten. Nach der Pandemie habe ich mit einer hybriden Form des Unterrichts weitergemacht. Ich gebe persönlich Stunden, biete aber auch online Kurse an. Wenn ich jetzt nach einer Tour wieder zu Hause bin, wartet viel Arbeit auf mich im Studio, wo ich neue Videolektionen für meine Schüler aufnehme.

Wann hast du Eugene Hütz getroffen und wie bist bei GOGOL BORDELLO eingestiegen?
Ich bin jetzt seit vier Jahren bei GOGOL BORDELLO und noch mal vier Jahre vorher war Oliver Charles als Schlagzeuger der Band ausgestiegen. Oliver hatte mich damals als seinen Nachfolger empfohlen. Eugene hat mich also angerufen und mich zum Vorspielen eingeladen. Ich war sehr nervös und versuchte selbstsicher zu wirken, aber das Treffen bestand dann nur aus Kaffeetrinken in seinem Hotelzimmer. Ich war überrascht, dass er alle Bands kannte, in denen ich bisher gespielt hatte, und wir haben lange über Musik geredet. Dabei haben wir herausgefunden, dass wir viele gemeinsame Lieblingsplatten und musikalische Vorlieben haben. Zum Abschied sagte Eugene nur, wir würden in Kontakt bleiben und er würde sich melden. Ich hielt mir in den folgenden Wochen meinen Terminkalender frei, aber es passierte nichts. Ich war zu dieser Zeit Schlagzeuger bei WESTERN STANDARD TIME SKA ORCHESTRA, wo Fredo Ortiz Percussionist war. Die Band rief mich an, weil sie mich für einen Gig buchen wollten, und ich war kurz davor abzusagen, weil ich mir die Termine für die Proben mit GOGOL BORDELLO freihalten wollte. Auf diese Weise erfuhr ich also, dass Fredo bereits Tage zuvor nach New York geflogen war und der neue Drummer von GOGOL BORDELLO werden würde. Da war ich schon ein bisschen sauer auf Fredo, aber heute ist zwischen uns alles wieder gut. Von Eugene habe ich dann lange nichts mehr gehört, und obwohl ich seine Nummer hatte, habe ich mich nie bei ihm gemeldet. Als Fredo dann Jahre später die Band verließ, ging es erst mal ein bisschen hin und her, denn plötzlich hatten mich sowohl Oliver als auch Fredo für den Job empfohlen. Aber als Eugene mich anrief, hatte ich wirklich keine Lust mehr, mit ihm zusammen zu spielen. Er hätte mich schließlich schon fünf Jahre vorher haben können. Eugene Hütz kann allerdings sehr überzeugend sein und so hat er mich überredet, es zunächst wenigstens für eine Tour zu versuchen. Und ganz ehrlich, die Musik von GOGOL BORDELLO ist genau mein Ding. Da ist ein bisschen Punk, ein bisschen Ska, etwas Reggae, Funk und Gypsy und immer diese wahnsinnig hohe Energie, die den ganzen Mix so speziell macht. Die Band geht zudem total respektvoll miteinander um und ist ein sehr multikultureller Haufen. Als „mixed kid“, das nicht wirklich schwarz und auch nicht weiß ist, gehörte ich in der Schule nie wirklich dazu, aber hier fühlte ich mich erstmals wirklich zu Hause. Im Tourbus läuft Musik, die uns allen gefällt, es fühlt sich voll nach Familie an – und das hätte ich aufgrund meiner eigenen Sturheit beinahe verpasst!

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