© by Candy WelzIn dieser Rubrik befragen wir Menschen aus der Szene zu ihrer Nutzung von (nicht nur) sozialen Medien. Die bestimmen unser aller Leben, aber es wird erstaunlich wenig darüber geredet, wer was wie nutzt. Diesmal beantwortet Maik von HEAVEN SHALL BURN unsere Fragen.
Bitte verrate uns, welche Social-Media-Plattformen du privat und für die Band nutzt, in welchem täglichen zeitlichen Umfang, und warum diese und warum jene kaum oder nicht.
Was die Band angeht, so nutzen wir in erster Linie Facebook und Instagram. Es ist für uns nach wie vor wichtig, beide Plattformen zu bespielen, da wir dort sehr unterschiedliche Altersgruppen unserer Fans erreichen. Privat nutze ich vor allem Instagram und gelegentlich auch Facebook. Es wird sehr häufig unterschätzt, wie viel Zeit die Content-Erstellung insbesondere für Instagram in Anspruch nimmt. Wenn man dann noch bei privaten Interessengebieten und zu den Kontexten, die die Band betreffen, auf dem Laufenden blieben will, so kommen schon mindestens zwei bis drei Stunden tägliche Beschäftigung mit diesen Online-Diensten zusammen. Von TikTok halten wir uns sowohl privat und vor allem auch mit der Band komplett fern. Ich empfinde diese Plattform wirklich als die Gosse des Internets, die nicht zuletzt durch die staatliche chinesische Kontrolle in ihrer ideologischen Ausrichtung und Instrumentalisierung äußerst zweifelhaft ist. Natürlich gibt es ähnliche Tendenzen und Missstände auch bei Instagram und Co. Aber irgendwo muss man ja mal eine Grenze ziehen und die ist bei TikTok für mich definitiv überschritten. Ich schaue mir also wie jeder vernünftige Erwachsene TikTok-Videos vier Wochen später bei Instagram an ...
Welche Quellen nutzt du, um dich musikalisch zu informieren?
Was Online-Plattformen betrifft, so erhalte ich Infos vor allem über Instagram und die dortigen Angebote von Seiten wie etwa Metal.de, Metal Injection oder Rock Hard. Hinzu kommen direkte Infos von zahlreichen Bands und Künstlern, die ich abonniert habe, hier sind ja keine Grenzen gesetzt und ich habe wirklich tausende Künstler, denen ich folge. Auf YouTube ziehe ich mir auch gern mal Gitarrenvideos von Ola Englund und Bernth rein. Einen Fernseher besitze ich nicht ... also doch schon, aber der steht seit mehreren Jahren im Keller. Als „Star Wars“- und „Simpsons“-Fan habe ich auch ein Abo bei Disney+,. mit dem ich ab und zu – vielleicht einmal im Monat, auf Tour etwas öfter – etwas auf meinem Notebook schaue. Andere Streamingdienste benutze ich nicht. Nicht aus ideologischen Gründen, aber ich habe einfach nicht genug Zeit für Serien und Co. Es ist schon manchmal bedauerlich, da nicht mitreden zu können, und es fühlt sich auch oft an, als verpasse man etwas, aber wenn ich mitbekomme, wie schnelllebig manche Serienhypes sind, habe ich auf lange Sicht nur selten das Gefühl, wirklich komplett außen vor zu sein bei so was.
... und welche für politische und gesellschaftliche Themen?
Ich nutze wirklich gern und oft die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen, besonders was Podcasts und Nachrichtensendungen angeht. Podcasts zu Geschichte, Wissenschaft und aktuellen politischen Themen höre ich mehrmals die Woche. „Streitkräfte und Strategien“ ist zum Beispiel einer meiner Lieblingspodcasts.
Und wie sieht es mit Printmedien aus?
Ich bin treuer Leser und Fan des Rock Hard, das für meine musikalische Sozialisation absolut essentiell war. Dazu kommen auch gelegentliche Käufe des Metal Hammer und des Visions. Das Kult-Comicheft Mosaik habe ich abonniert. Was die regionale Dimension des gesellschaftlichen und politischen Journalismus angeht, lese ich die Thüringer Allgemeine, auch wenn man das Gefühl hat, Zweidrittel der Zeitung sind nur noch dazu da, um Rentnern Münzenabos oder Kreuzfahrten zu verkaufen. Ansonsten informiere ich mich im gedruckten Zeitungswald relativ breit gefächert, für eine Zugfahrt kaufe ich auch mal das Neue Deutschland, die Frankfurter Allgemeine oder die Zeit. Zudem habe ich eine recht anschauliche Sammlung von Geo-Epoche-Heften zu verschiedensten historischen Themen. Ich mag diese Hefte als Überblicksarbeiten und Impulsgeber für genauere Nachforschungen.
Welches Nutzungsverhalten hast du bei dir selbst beobachtet über die Jahre?
Immer mehr, immer schneller, immer oberflächlicher. Ich habe nicht die Illusion, dass ich mich dem normalen Trend, was Online-Medien angeht, entziehen konnte. Momentan bin ich an einem Punkt, wo ich wieder anfange, diese Medien bewusster und eingeschränkter zu nutzen, da es oft wirklich absolute Zeitverschwendung ist, die einen im Nachhinein nicht selten mit sehr negativen Gefühlen und einer Art digitalem Kater reumütig zurücklässt. Daher versuche ich, insbesondere soziale Medien wieder mehr als Instrument zur Kommunikation mit Freunden zu verwenden und nicht nur zur schlichten Unterhaltung.
Deine Prognose: Wohin geht die Reise in Sachen Informationsquellen?
Ich denke, die Informationsinhalte an sich werden in den nächsten Jahrzehnten weiter in den Hintergrund treten und immer rudimentärer werden. Es geht schon jetzt oft nur noch darum, mit den Überschriften der Artikel, die ohnehin keiner liest, einfach nur schlichte Emotionen zu erzeugen und Reaktionen zu provozieren. Diese Aktivierung von Gefühlen und das Einpflanzen von Befindlichkeiten bestimmten Themengebieten gegenüber wird immer mehr zum Hauptzweck von Information werden. Die Funktion von Massenmedien als Forum für die Bildung und Verhandlung von Meinungen in einem demokratischen Diskurs kommt immer mehr zum Erliegen. Es geht nicht mehr um Erkenntnisgewinn oder die Lieferung von Fakten zur Findung eigener Standpunkte. Nicht einmal mehr vorgefertigte Meinungen zum Nachplappern im Sinne der Bild-Presse wird es geben. Wollte man das wirklich im Sinne einer Dystopie weiterdenken, so lässt sich vermuten, dass irgendwann bestimmte Emotionen einem Aspekt gegenüber direkt ins Hirn geladen wird, ganz ohne Umweg über eine Informationsquelle.
Zum Schluss: Wo vertrödelst du gerne deine Onlinezeit ganz sinnfrei und rein zum Spaß?
Ich bin gern sehr lange auf den Seiten des Zentralverzeichnisses antiquarischer Bücher unterwegs. Aber auch die Seiten des Bundesarchivs, Wikipedia, Transfermarkt.de und die Encyclopaedia Metallum besuche ich zum Zeitvertreib.