POLYPHIA

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Jetzt mit Gesang

Warum sich eine Instrumentalband für Vocalfeatures entscheidet und vieles mehr. Wir sprechen mit Gitarrist Scottie LePage und Clay Aeschliman, Drummer der Band aus Texas.

Euer letztes Album „New Levels New Devils“ ist jetzt etwa vier Jahre alt und war euer großer Erfolg. Was hat sich seitdem verändert?

Scottie: Also im Ernst jetzt, wir waren immer in dem Mindset, dass wir Songs schreiben wollen, die wir uns selber gerne anhören würden. Wenn ich ein Gitarrenriff schreibe, frage ich mich also: Mag ich das Riff, weil es gut ist, oder bin ich voreingenommen, weil ich es geschrieben habe? Wenn ich es dann niederlege und mir am nächsten Tag wieder anhöre, mit einem frischen Ohr, und ich es immer noch mag, dann bin ich zuversichtlich, dass es gut ist. Man muss einen Weg finden, alles weniger voreingenommen zu betrachten.
Clay: Eine Sache, die sich definitiv geändert hat, ist, dass wir jetzt Zugang zu anderen Künstlern und Produzenten haben, mit denen wir gerne arbeiten wollten. Vielleicht waren wir ihnen vorher zu unbekannt und sie sind jetzt offener, mit uns etwas zu machen. Es war jedenfalls sehr cool, dass wir jetzt die Möglichkeit dazu hatten.
Scottie: Wir lieben es, Musik mit Features zu machen und mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten. Ich höre auch selber gerne Musik mit vielen Features, ich mag es, wenn Künstler zusammenkommen und etwas gemeinsam kreieren. Eine Instrumentalband bietet auch sicherlich viel Freiraum für so was, gerade für Gesang. Wir wollten einfach gucken, welche Art Musik wir zusammen machen würden. Da sind bestimmt zehn verschiedene Stile auf dem Album, als eine Sammlung von gemeinsamen Ideen.

Ihr seid bekannt als die Band, die Instrumentalmusik spaßig gemacht hat. Wie kommt es, dass ihr jetzt mehr als je zuvor Vocalfeatures habt? Stiehlt ein Leadsänger euch als Instrumentalisten nicht die Show?
Clay: Definitiv nicht. Es geht lediglich darum, jemanden einzubringen, mit dem man dann zusammen Musik macht. Es ist außerdem irgendwie interessant, etwas zu schreiben mit dem Hintergedanken, Platz für Sänger zu schaffen, so dass sie sich wohl fühlen und alles machen können, was sie wollen. In der Vergangenheit hatten wir ein kaum Stücke mit Vocals, „So strange“ war so ziemlich der einzige, bei dem im ganzen Song Vocals waren, bei „Look but don’t touch“ war es Hälfte/Hälfte. Vorher war es einfach viel verrücktes Instrumentalzeug, aber wenn man eine Stimme dabeihaben will, sollte man es nicht übertreiben. Tim spielt das tragende Riff im Refrain und manchmal komme ich dann mit dazu und ergänze ein paar Harmonien oder Ähnliches zu den Vocals.

Euer Album heißt „Remember That You Will Die“. Was ist die Bedeutung dahinter?
Scottie: Wir waren auf Tour, saßen alle im Van und hockten somit stundenlang nebeneinander rum. Also hatten wir viel Zeit und versuchten, die irgendwie zu nutzen, und haben dann ehrlich gesagt einfach irgendwelche Sachen gegooglet. Wir haben nach Inspirationen für irgendwas gesucht. Ich habe mir dann Phrasen in verschiedenen Sprachen angeguckt und bin auf „Memento mori“ gestoßen. Da dachte ich, das habe ich doch schon mal gehört, was heißt das noch gleich? Und es bedeutet ja übersetzt „Remember That You Will Die“. Und außer dass es cool klingt, hat es ja eben auch diese philosophische Bedeutung, so etwas wie das „Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter“-Zeugs. Aber ehrlich gesagt haben wir uns gedacht, dass es badass klingt, eine tiefere Bedeutung hat und sehr einfach zu konzeptualisieren ist. Es funktionierte einfach mit der Musik, die wir hatten, es wirkte, als würde der Titel alle Lieder zusammenbringen.

Mir ist aufgefallen, dass euer kommendes Album weitaus fröhlicher klingt als euer vorheriges, jedenfalls für mich scheint es so. Hat sich etwas an eurer Stimmung oder eurem Gruppengefüge geändert?
Clay: Ich denke, dieses Album erzählt mehr oder weniger eine Geschichte auf eine Weise, wie unsere vergangenen Alben es nicht getan haben. Auf eine Art, dass es dich auf eine Reise mitnimmt. Es sind viele fröhliche Songs dabei, aber auch ein paar düstere, schwerere Songs mit starken Emotionen. Es verbindet alles von Anfang bis Ende des Albums.

Generell ist es ja weniger offensichtlich, wie Titel von Instrumentalsongs zustande kommen, da ja keine Lyrics vorhanden sind, an denen man sich orientieren kann. Wie geht ihr da vor?
Scottie: Wir schreiben die Musik zuerst und wenn wir fertig sind, gucken wir, wie man das Stück nennt. Mit Instrumentalmusik ist das ein wenig schwieriger, weil man sich ja nicht auf die Lyrics beziehen kann, muss man sich eher an die Vibes orientieren, die der Song vermittelt. Aber bei Songs mit Lyrics ist das auf jeden Fall einfacher, da hast du recht, man tendiert dazu, sich am Text zu orientieren. Aber an sich ist die Herangehensweise in erster Instanz trotzdem gleich, wir gehen erst mal nach den Vibes.

Normalerweise bleiben Drummer eher im Hintergrund, sei es im Song, im Video oder auf der Bühne. Bei euch ist das nicht so, ihr seid alle gleichermaßen präsent.
Clay: Auf jeden Fall. Wir haben so viel Arbeit darin investiert, jeden Aspekt dieses Albums so gut wie möglich zu gestalten. In der Vergangenheit verliefen die Drumrecordings manchmal ein bisschen gehetzt, es war zwar genug Zeit, aber eben nicht so viel, wie ich es gerne gehabt hätte. Und diesmal hatten wir endlich die Gelegenheit sicherzugehen, dass alles so klingt, wie wir es haben möchten. Ich bin ursprünglich im Dezember 2020 ins Studio gegangen und habe 16 Songs aufgenommen und im Laufe der nächsten Jahre wurden Songs rausgeschmissen, neue hinzugefügt und andere wiederum komplett verändert. Wir hatten viel Zeit zum Rumschrauben, bis die Drums so klingen, wie wir sie haben wollten, so dass es am Ende kein stark gitarrenfokussiertes, sondern ein rundes Album ist in jeglicher Instanz. Ich hatte viel Freude dabei und wir alle haben jetzt viel Spaß daran, unsere neuen Songs zu spielen.