© by Christoph LampertDrummerboy dieser Ausgabe ist René von der Band FEDER aus Graz, der schon seit über 20 Jahren in der österreichischen Szene aktiv ist und als singender Drummer seiner Band die besondere Gabe hat, die Power seines Schlagzeugspiels mit harmonischem Gesang zu verbinden. Diese Kombination macht den Sound und die Live-Auftritte von FEDER zu etwas Besonderem und es war höchste Zeit für ein Interview mit dem sympathischen Österreicher.
René, kommst du aus einer musikalischen Familie und hast schon frühzeitig mit dem Trommeln begonnen?
Nein, ich kann mich nicht daran erinnern, schon als Kind auf Töpfen oder Pfannen herumgetrommelt zu haben, und den Wunsch, Schlagzeug zu spielen, hatte ich das erste Mal mit neun Jahren, als ich bei uns in der Siedlung aus einem Keller ein Schlagzeug gehört hatte. Meine Eltern spielten selbst keine Instrumente, aber ich erinnere mich, das bei uns im Auto immer Metalbands wie MANOWAR oder HELLOWEEN liefen, und das war sozusagen meine musikalische Früherziehung.
In welchem Alter hast du angefangen, ein Instrument zu spielen?
Ich habe von neun bis zwölf Jahren zunächst Gitarrenunterricht in einer Musikschule gehabt. Eigentlich wollte ich da ja Schlagzeug schon spielen, aber das war bei uns zu Hause von den Räumlichkeiten her nicht möglich, und so haben mir meine Eltern angeboten, Gitarre zu lernen. Das war irgendwie auch cool und ein guter Plan B. Mit zwölf habe ich eine E-Gitarre geschenkt bekommen und das war die Zeit, in der ich Punk für mich entdeckt habe. Da habe ich meine gesamte musikalische Ausbildung über den Haufen geworfen und wollte nur noch Punk Songs nachspielen. Bei uns in der Siedlung gab es zu dieser Zeit einige Punks, die ein paar Jahre älter waren, und von denen habe ich einen Deutschpunk-Sampler auf CD geschenkt bekommen, der mir sehr imponiert hat. Ich erinnere mich, dass ich „Knechte des Klischees“ von FUCKIN’ FACES besonders toll fand. Ich bin schnell dahinter gekommen, dass man in Internet wunderbar Punksongs herunterladen konnte, und bin dann bei SCHLEIMKEIM hängengeblieben, die ich damals extrem abgefeiert habe. RASTA KNAST fand ich auch sehr gut und bei den internationalen Bands waren es Klassiker wie RANCID, die ich rauf und runter gehört habe.
Wie bist du dann von der Gitarre zum Schlagzeug gekommen?
Zunächst hatte ich relativ erfolglos versucht, mit drei Akkorden Punkrock-Klassiker nachzuspielen, und habe mit 13 meinen ersten eigenen Text verfasst, der allerdings nur eine Aneinanderreihung aller denkbaren Punk-Klischees darstellte. Zu dieser Zeit gab es bei uns in der örtlichen Szene die Konzertgruppe Murpott, benannt nach dem Fluß Mur, der durch Graz fließt, und die haben viele Punkshows veranstaltet. Federführend war damals Clemens, der bei TINTIFAX und MALTSCHICK’S MOLODOI Schlagzeuger war. Die haben einen unglaublichen Knüppelpunk gespielt und Clemens hat mir mit seinem Spiel wirklich sehr imponiert, so dass ich mir dachte, ich möchte auch unbedingt Schlagzeug spielen. Ich habe zu dieser Zeit schon in einer Band gesungen und hatte dann das Glück, dass meine Tante bei sich im Keller ein wirklich altes, abgerocktes Schlagzeug stehen hatte, das ich dann bei meiner Oma im Gartenhäuschen aufbauen durfte. Auf diesem Schlagzeug habe ich angefangen, die „Ameisenstaat“-LP von KNOCHENFABRIK nachzuspielen. Dann habe ich Bands wie THE CASUALTIES oder THE VARUKERS für mich entdeckt und versucht, deren Songs zu spielen, was eine echte Herausforderung war. Sehr beeindruckt war ich auch von dem Drummer der kanadischen Band ACTION, bei dem ich mich immer gefragt habe, wie man so schnellen Hardcore-Punk spielen kann. Ich war ja Autodidakt und hatte große Schwierigkeiten, das Tempo aufzubauen und mit der rechten Hand zwischen Hi-Hat und Ridebecken zu wechseln. Außerdem haben mein rechter Fuß und meine rechte Hand am Anfang immer das Gleiche gespielt, was mich sehr frustriert hat, und es hat einige Zeit gebraucht, bis ich diese Nuss knacken konnte. Ich spiele jetzt seit 2004 Schlagzeug und es hat viele Jahre gedauert, bis ich mir eine halbwegs akzeptable Technik angeeignet hatte. Thorsten Nagelschmidt hat in seinem ersten Roman eine sehr schöne Geschichte dazu über den Drummer von MUFF POTTER geschrieben, der am Anfang auch immer nur draufgehauen hat, weil er keine Technik hatte.
Wann hast du deine erste eigene Band gegründet?
Es gab ja schon diese Schülerband, in der ich gesungen hatte, und 2004 haben der Gitarrist und ich ein Projekt namens SAUKERLE gegründet, mit dem wir unseren Helden SCHLEIMKEIM huldigen wollten. Wir sind aber nie über ein Proberaumdemo hinausgekommen und meine erste richtige Band waren dann 2007 THE DECEASED, mit denen ich bei uns in der Steiermark auf den Dörfern und sogar in Wien gespielt habe. Im Jahr 2014 habe ich schließlich mit Siegi Rosa ANTIMANIFEST gegründet, mit denen wir viele Gigs gespielt haben und in Graz sogar im Vorprogramm von KNOCHENFABRIK auftreten durften, was mich als Fan natürlich total begeistert hat. Zu der damaligen Zeit war mein Songwriting sehr von Bands wie TAGTRAUM und MUFF POTTER beeinflusst, die wir in unseren Anfangstagen sehr abgefeiert haben. Als 2023 klar war, dass es mit ANTIMANIFEST aus verschiedenen Gründen nicht mehr weitergehen würde, habe ich mit unserem Gitarristen Vik angefangen, zu zweit im Übungsraum Songs zu schreiben. Als dann unser Bassist Michi dazukam, haben wir FEDER gegründet und beschlossen, als Trio weiterzumachen.
Erinnerst du dich an deine ersten Studioaufnahmen?
Das war, als wir das erste Demo und dann die LP mit ANTIMANIFEST aufgenommen haben, und ich war damals super nervös. Ich habe leider den Versuch unternommen, mit dem Klick im Ohr aufzunehmen, und muss sagen, dass ich damit wirklich nichts anfangen konnte. Der Klick und ich sind ein bisschen wie Erzfeinde, denn ich habe nie wirklich gelernt, auf den Klick zu spielen. Die Band wollte es aber so und ich habe mich dann bei den Aufnahmen ständig selbst überholt und wieder abgebremst, um irgendwann wieder beim ursprünglichen Tempo zu landen, es war furchtbar. Vik war damals der Tontechniker und er hat bei der siebten oder achten Aufnahme vom zweiten Song ganz entnervt abgebrochen und mir nahegelegt, ich sollte es doch mal ohne Klick versuchen. Plötzlich konnte ich wie befreit aufspielen und hatte die Songs fast alle im ersten oder zweiten Take fertig eingespielt. Sinnbildlich gesprochen ist es auch schön, dass ich mich in einer Welt, die nach der Stechuhr tickt, nicht auch noch bei meiner Leidenschaft von einer Maschine bestimmen lassen muss, sondern frei entfalten kann. Die Songs sind dadurch einfach dynamischer, auch wenn es für Bassisten und Gitarristen, die zu meinen Aufnahmen spielen müssen, sicherlich etwas schwerer wird, das richtige Tempo zu finden.
Wie bist du zum singenden Drummer geworden?
Gesungen habe ich eigentlich schon immer, sowohl in meiner ersten Streetpunk-Band als auch später als Background-Sänger bei ANTIMANIFEST, so dass eine gewisse Affinität zum Gesang schon vorhanden war. Bei FEDER habe ich dann den Drang verspürt, dass ich ausprobieren wollte, ob Singen und Schlagzeugspielen zusammen funktionieren kann und ob ich das konditionell überhaupt schaffen kann. Da ich ja auch die Texte bei FEDER schreibe, hat es einfach gut zusammengepasst und zwischen Gesang und Schlagzeug hat sich eine schöne Symbiose ergeben, die für den Flow der Texte sehr förderlich war. Ich sehe mich da auch eher als Sänger, der sich selbst am Schlagzeug begleitet, denn als Schlagzeuger, der dazu singt.
Übst du viel für dich alleine?
Nein, eigentlich übe ich, seit ich in Bands spiele, immer mit der jeweiligen Gruppe. Zur Zeit genieße ich es aber auch, vor der Probe früher in den Übungsraum zu gehen, um Zeit für mich alleine zu haben und ein paar Lieblingssongs von mir zu spielen. Ich sollte sicherlich viel mehr alleine üben, um meine Technik zu verbessern, aber dafür prokrastiniere ich wohl zu gerne.
Spielst du außerhalb der Band noch andere Instrumente?
Ich habe mit 18 Jahren angefangen zu rappen und nehme in und um Graz regelmäßig an Freestyle-Veranstaltungen teil, bei denen ich mit Mundart-Rap auftrete. Seit ungefähr vier Jahren habe ich auch eine Handpan zu Hause, auf der ich ganz für mich allein spiele und Rhythmusübungen wir den Paradiddle oder andere Basics ausprobieren kann. Das macht mir viel Spaß und wirkt sich unbewusst sicherlich auf mein Schlagzeugspiel aus.