© by June LeipoldVor zehn Jahren sprach ich mit Mike Russek über seinen Plattenladen, den er in Coburg im Jahr 2002 eröffnet hatte. Damals war er nicht größer als die Wohnküche meiner ersten WG – hier wie da erstaunlich, wie viel man dort doch unterbrachte. Mike konnte vom Umsatz im Laden damals überleben, wie er sagte. Aber auch nur, weil er noch ein, zwei Nebentätigkeiten hatte. Vor fünf Jahren zog er etwa 500 Meter weiter. Bessere Lage, mehr Platz und ein neues Konzept: Records & Drinks. Und es kamen Veranstaltungen wie Lesungen und Konzerte dazu. So war es an der Zeit, einmal nach dem Stand der Dinge zu fragen.
Wann bist du in den neuen Laden am Unteren Bürglaß umgezogen?
Am 23.12.2017 habe ich die Bar eröffnet. Es war ein ganz schönes Chaos, da ich bis dahin absolut nichts mit Gastro am Hut hatte. Den Ladenumzug haben wir dann am 31.12. mit vielen freundlichen Helfer:innen gemacht.
Was waren die Beweggründe?
Die Idee mit einer Kombi aus Plattenladen und Bar hatte ich schon länger im Kopf. Ich habe das mal in Neapel gesehen und fand das sehr fein. Als sich dann noch eine passende Location ergab, dachte ich: Jetzt oder nie.
Inwieweit hat sich nach dem Umzug das Geschäft verändert?
Natürlich trägt sich das Geschäft jetzt durch die Bar. Der Plattenladen ist nur noch ein Bonus.
Du betreibst auch einen Online-Shop. Wie läuft er?
Bis Corona war der Shop eigentlich immer nur so eine Art Werbung für neue Platten. Der war zwar stets gut gepflegt, aber die Bestellungen waren sehr überschaubar. Seit Corona macht der Online-Shop circa 50% des Vinylumsatzes bei mir aus.
Du machst zahlreiche Veranstaltungen im Toxic Toast. Wie kam das?
Kleine Instore-Gigs, Lesungen und Kino habe ich schon im alten Laden angeboten. Das war auch immer sehr lustig und bei dem kleinen Laden natürlich immer voll. Hier habe ich jetzt eine kleine Bühne mit PA. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass es aufgrund der Lautstärke und der Größe der Bühne ohne Schlagzeug am besten klappt.
Wer war schon alles da?
Konzerte haben zum Beispiel Matze Rossi, Frankie Stubbs, TV Smith, TON STEINE SCHERBEN, Chad Price von ALL und Wick Bambix gegeben. Dazu hatte ich einige Lesungen, beispielsweise mit Thorsten Nagelschmidt, H.C. Roth oder Matthias Egersdörfer. Und die ARGIES sind schon fast eine Art Hausband hier! Mambo Kurt ist dieses Jahr auch zum dritten Mal in Folge am Start – und immer sofort ausverkauft.
Wie ist der Zulauf an Zuschauer:nnen?
Das ist völlig unterschiedlich. Im Schnitt würde ich sagen kommen um die vierzig Leute, mal mehr, mal weniger. Achtzig Personen dürfen maximal rein.
Vinyl ist erschreckend teuer geworden. Macht sich das bemerkbar?
Der Umsatz bleibt konstant. Aber natürlich verkaufe ich einiges weniger bei den aktuellen Preisen. Das war aber auch vor etwa zehn Jahren so, als damals der Sprung von durchschnittlich 15 Euro auf 25 bis 30 Euro kam.
Gehen CDs noch?
Nein!
Hat sich nach Corona an den Preisen, dem Ausgehverhalten und Plattenverkaufszahlen etwas verändert?
Es verändert sich immer etwas, ob mit oder ohne Corona. Die Preise sind vorher auch schon gestiegen und Idioten hat es vorher auch schon genauso viele gegeben.