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7 SECONDS

New Wind

Als US-Hardcore Mitte der 1980er gerade erst seinen Weg nach Europa geschafft hatte und Leute zunehmend Gefallen fanden an dieser Weiterentwicklung des Punk, schien dieser Frühling in den USA schon wieder vorbei zu sein. Manche Bands wie EMBRACE aus der Szene von Washington, D.C. waren aufgelöst, bevor wir die Platten überhaupt kannten, und kaum hatten wir DAG NASTY, 7 SECONDS oder UNIFORM CHOICE kennen gelernt, schockten die uns schon mit musikalischer Weiterentwicklung. Immer wieder werden U2 in diesem Kontext erwähnt, die hatten 1983 „War“ veröffentlicht und 1984 „The Unforgettable Fire“ und wurden auch in unserer Szene fleißig rezipiert. Die wilden Hardcore-Kids von vor drei, vier Jahren waren nun Anfang/Mitte 20 und auf der Suche nach neuen Songs, und dann kam das, was andere als „whimping out“ bezeichneten: Die Musik wurde langsamer, melodiöser, harmonischer, die Gitarren kuschelten lieber als zu attackieren, die Produktion war besser und cleaner. Hört man die Platten jener Bands aus dieser Zeit und vergleicht sie mit dem bisherigen Schaffen, drängt sich bei aller rückblickenden Wertschätzung immer wieder der Vergleich mit der angezogenen Handbremse auf. Joe Nelson (WINDS OF PROMISE, TRIGGERMAN) und Matt Pincus (JUDGE) haben auf ihrem Label Trust Records nach dem 1984er 7 SECONDS-Debütalbum „The Crew“, im Original auf Better Youth Organization (BYO) erschienen, und „Walk Together, Rock Together“(1985/86) nun „New Wind“ von 1986 in einer Deluxe-Version neu aufgelegt, ergänzt um eine zweite 12“ mit dem Titel „Change In My Head“. Darauf findet sich (in den Worten des Labels) „another swipe at ‚New Wind‘ by Ian MacKaye“, gemischt von Ian MacKaye und Don Zientara im Inner Ear Studio im Januar 2023, ergänzt um die Songs „Compro“ und „Change in my head“ aus der 1985er D.C.-Session. So hätte die Platte also auch klingen können – etwas näher dran an dem, was man kannte. Die ganze Geschichte des Albums und seiner Hintergründe erzählt Mike Gitter im dicken Booklet der Doppel-LP anhand von Interviews mit Bandmitgliedern und Wegbegleitern. Die lesenswerten, sehr reflektierten Texte mit viel Szenebezug und wenig Verklausulierung gibt es zum Nachlesen. Eine sehr wertige, perfekte Aufbereitung — der steife Preis ist hier durchaus angemessen.

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