
Als ACHT EIMER HÜHNERHERZEN 2018 mit ihrem Debütalbum um die Ecke kamen, war die Freude über die ungewöhnliche Auslegung von Punk zwar groß, auf lange Haltbarkeit des Konzepts Nylonsaiten-Punk hätte damals aber wohl niemand gesetzt. Doch Apocalypse Vega, Johnny Bottrop und Bene Diktator sind immer noch da und bleiben ihrem Ansatz weiterhin treu: Es gibt nämlich nichts in Stein gemeißeltes, sondern nur eine vage Spur. Lieber folgen ACHT EIMER HÜHNERHERZEN einem Drang, der sich unaufhaltsam in ihre Musik frisst – getrieben vom Gefühl, das sie vorantreibt, wenn der Bauch sich vor Wut oder Freude zusammenzieht. Die Band ist nie angetreten, um Zustände aufzulösen und smarte Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Was zwischen den Tönen verfängt, ist die Wahrhaftigkeit. Die mündet dann in Songs wie „In Italien warst du schöner“, „Durchlauferhitzer“ oder „Rumstreunen“. Hymnen an das Unperfekte und über den Wahn, dass alles einen Sinn haben muss und irgendwie jeder auf der Suche nach maximaler Produktivität und dem optimalen Ich ist. Denn genau das sind ACHT EIMER HÜHNERHERZEN nicht, wobei sie gegen ein besseres Wir nichts einzuwenden hätten. Stattdessen gibt ihnen das Leben ebenfalls Rätsel auf („Aktuell“), und statt zu schlafen, streunen sie durch die ewig lange Nacht („Nicht schlafen“). Oder sie kontern in „Bescheid“ dem vorhersehbaren nächsten Scheißtag mit ironischer Resilienz. Die Band hebt zwar damit die kollektive Überforderung aufgrund der Intensität aller möglichen Zustände auf eine interessante individuelle Ebene, verbreitet dann aber ganz dreist mit der musikalischen Basis pure Euphorie. Heute scheiße, morgen scheiße, scha lala lalaa? Mitnichten, ACHT EIMER HÜHNERHERZEN sind stets respektvoll, dem Einzelnen und der Gesamtsituation gegenüber. Selbst wenn Jacho ganz Punker-like von sich weist, dass ACHT EIMER HÜHNERHERZEN agiler oder gar optimistischer klingen, ist die Band bemerkenswert gut aufeinander eingespielt und das führt zu ebendiesem Grundrauschen. Es ist, als ob die Musik selbst sich gegen die Schwere stemmt und mit einem Augenzwinkern durch die schwierigen Umstände tanzt. Produzent Kurt Ebelhäuser hatte insofern Einfluss auf die Platte, dass er die Band zum konsequenten Stimmen der Instrumente gezwungen hat. Ansonsten kam das Trio einig in den Aufnahmeprozess und setzte den Wunsch nach einem schmutzigeren, weniger voluminösen Sound um. Hört man „Lieder“, tippt man sowieso auf blindes Verständnis untereinander, ausgehend von einem ähnlichen Seelenleben und der Kunst, den anderen wahre Freiheiten zu lassen. Aktuell scheint es unvorstellbar, dass die Band nicht ewig weitermacht. Schon allein wegen legendärer Textzeilen wie im herrlich zuckelnden „Dada“: „Hier steppt die Sau. Ich geh mal hin, und such nach Sinn, mit Dada drin.“
© by - Ausgabe # und 11. November 2022
© by - Ausgabe # und 21. Januar 2021
© by - Ausgabe # und 19. August 2020
© by - Ausgabe # und 10. Mai 2020
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #150 Juni/Juli 2020 und Jacho Bottrop
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #160 Februar/März 2022 und Markus Franz
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #173 April/Mai 2024 und Jacho Bottrop
© by Fuze - Ausgabe #82 Juni/Juli 2020 und Tilman Zick
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #149 April/Mai 2020 und Headbert
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Nadine Schmidt
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #160 Februar/März 2022 und Markus Franz
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #137 April/Mai 2018 und Markus Franz