
Wer diesen hierzulande 2011 zuerst in zwei Bänden erschienenen und jetzt in einer Komplettausgabe neu aufgelegten Manga aus dem Hause Carlsen/Hayabusa betrachtet, der kommt um ein Wort nicht herum: episch. „Afro Samurai“ ist nämlich die reine und absolute Epik im bildgewaltigen Format. Auf über 300 Seiten wird die Geschichte des gleichnamigen Helden beschrieben, der als Kind mit ansehen muss, wie sein Vater – Träger des legendären, zum Beherrschen der Welt berechtigenden Stirnbands Nr. 1 – von dessen Widersacher Justice ermordet wird und sich daraufhin schwört, nicht zu ruhen, ehe diese Tat gesühnt ist. Takashi Okazaki steigt zwar zu Beginn irgendwie Knall auf Fall in die Story ein, aber lässt sich danach umso konsequenter Zeit, um alles genau zu erzählen und die Charaktere zu entwickeln. So verfolgen wir den Weg des Afro Samurai vom kleinen Jungen bis zum großen Rache-Krieger. Dialoge und Monologe gibt es, zumindest in Relation zum Umfang dieser Graphic Novel, nur wenige. Die Bildsprache ist dafür umso eindringlicher und ausdrucksvoller. Es macht eben gehörig etwas aus, wenn eine Geschichte ausschließlich in schwarzweiß-grauen Sequenzen ausgebreitet wird und die einzige Farbe, die ins Spiel kommt, das Rot des bisweilen fließenden oder spritzenden Blutes ist. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass auf der Rückseite des Buchs die Empfehlung „ab 16“ aufgedruckt wurde. Denn bei „Afro Samurai“ handelt es sich nicht um irgendeine x-beliebige Graphic Novel im Taschenbuchformat mit einer austauschbaren Superheld-gegen-Bösewicht-Story, sondern um zeitlose Bildlektüre für mindestens (Fast-)Erwachsene, die hohe Ästhetik und eine tiefe Story zu schätzen und dieser zu folgen wissen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Frank Weiffen