Mit der Kriminalkomödie „Die Herren Einbrecher geben sich die Ehre“ („The League of Gentlemen“) konnte sich Basil Dearden 1960 in der britischen Filmgeschichte verewigen und drehte ein Jahr später mit dem kontroversen Kriminalfilm „Der Teufelskreis“ („Victim“) den ersten englischsprachigen Film, in dem das Wort „homosexual“ verwendet wurde. Kurz bevor er 1971 im Alter von nur 60 Jahren bei einem tragischen Autounfall verstarb, führte er noch bei drei Folgen von „Die 2“ Regie. Basierend auf dem nie auf Deutsch erschienen Agenten-Thriller „Castle Minerva“ von Victor Canning (1954 entstanden, ein Jahr nach Flemings erstem James Bond-Roman „Casino Royale“) drehte Dearden dann 1965 den deutlich als Parodie angelegten Agentenfilm „Agenten lassen bitten“. Nach dem großen Erfolg der ersten Bond-Filme Anfang der 1960er Jahre war die Spionagebegeisterung natürlich weit verbreitet. Der Originaltitel „Masquerade“ von „Agenten lassen bitten“ lässt aber vermuten, dass mehr noch als Bond hier „Charade“ von 1963 Pate stand, Stanley Donens rasanter und schwarzhumoriger Mix aus Kriminalfilm, Thriller, Agentenfilm, Romanze und Screwball-Komödie. In „Agenten lassen bitten“, der jetzt das erste Mal auf DVD und Blu-ray veröffentlicht wurde, spielt Cliff Robertson (zuletzt war er in Sam Raimis „Spider-Man“-Filmen als Peter Parkers Onkel zu sehen) an der Seite von Michel Piccoli und Marisa Mell einen etwas tölpelhaften amerikanischen Geheimdienstagenten, der einen jungen arabischen Prinzen bis zur Unterzeichnung eines neuen Wirtschaftsabkommens beschützen soll, der dann natürlich dennoch entführt wird. Deardens spektakuläre, wendungsreiche und selbstironische Geschichte hebt sich trotz bekannter Zutaten angenehm vom sonstigen Spionagefilm-Allerlei ab und ist fast schon eine Parodie auf Agentenfilm-Parodien.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Thomas Kerpen