
Afghanistan, ein bäuerlich geprägtes, armes Land der Burkas, der islamistischen Fundamentalisten und des Schlafmohns – das dürften die ersten Assoziationen sein, die einem Europäer bei diesem Stichwort zunächst einfallen. Maren Aminis Vater Ahmadjan stammt zwar tatsächlich aus einer mittellosen afghanischen Bauernfamilie, erzählt wird aber von einem Land des Umschwungs und Aufbruchs, das nur wenig mit den heute gängigen Afghanistan-Schubladen gemein hat. In minimalistischen, leicht an Walter Moers erinnernden, teils farbigen Zeichnungen blickt Maren mit gelegentlichem ironischen Augenzwinkern auf das bewegte Leben ihres rastlosen und freiheitsliebenden Vaters zurück. Dabei gewährt sie Einsichten in eine westlichen Einflüssen nicht abgeneigte afghanische Jugend der späten 1960er Jahre, in der Hippies auch dort das Straßenbild der großen Städte prägten und einige sich nach einer Auswanderung in die USA sehnten. Ahmadjan wird das Visum für die USA zwar verwehrt, er kann aber nach Deutschland reisen, findet dort schon bald Anschluss, heiratet eine Deutsche und wird Vater von zwei Töchtern. Afghanistan bleibt dabei stets präsent, später kehrt Ahmadjan im Rahmen einer entbehrungsreichen Reise dorthin zurück, um eine von Deutschen organisierten Spende an den „Löwen von Pandschir“ zu übergeben, dem nicht unumstrittenen Ahmad Schah Massoud, der den Widerstand gegen die Sowjets und die Taliban anführte. Gespickt mit Zitaten aus der mystischen persischen Sufi-Dichtung „Die Konferenz der Vögel“ von Fariduddin Attar aus dem 12. Jahrhundert, entspinnt sich in „Ahmadjan und der Wiedehopf“ eine liebevoll-melancholische biografische Erzählung voller Höhen und Tiefen – und auch ein bisschen Humor.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Anke Kalau