
ALTIN GÜN nehmen eine bemerkenswerte Kurskorrektur vor. Statt weiterhin ihren international erfolgreichen Anatolian-Psych-Disco-Mix zu variieren, widmet sich die Band hier konsequent einer einzigen Quelle: dem Werk des legendären türkischen Volksmusikers Neset Ertas. Das Album versammelt zehn Neuinterpretationen seiner Stücke – darunter „Gönül dagi“, „Neredesin sen“ und „Zülüf dökülmüs yüze“. Zugleich markiert „Garip“ einen personellen Einschnitt. Nach dem Ausstieg der langjährigen Sängerin Merve Dasdemir rückt die Stimme von Erdinc Ecevit Yildiz ins Zentrum. Sein nuancierter, oft sehnsüchtiger Gesang passt ideal zu den melancholischen Bozlak-Melodien des anatolischen Repertoires. Die Saz erhält entsprechend mehr Raum, während die Arrangements zugleich den klanglichen Horizont erweitern. Neben dem vertrauten Anatolian-Psych tauchen nun verstärkt Arabesque-Anklänge der 1970er auf; dazu kommen orchestrale Streicher und gelegentliche Saxophonlinien. Diese cineastische Produktion verleiht den Stücken eine neue Tiefe, ohne den emotionalen Kern der Vorlagen zu verwässern. „Garip“ funktioniert damit nicht nur als Coverprojekt, sondern als respektvolle Verbeugung vor der anatolischen Tradition – und als Neupositionierung einer Band, die sich bewusst weigert, zur Retro-Kopie ihres eigenen Erfolgs zu werden.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Gereon Helmer
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #143 April/Mai 2019 und Gereon Helmer
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #138 Juni/Juli 2018 und Andreas Michalke
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #154 Februar/März 2021 und Gereon Helmer