Als Autor der Abenteuer des Baron Münchhausen gilt der deutsche Dichter Gottfried August Bürger in der Zeit der Aufklärung. Diese basieren auf den Lügenerzählungen des historischen Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen. Aufgeschrieben hatte diese Ende des 18. Jahrhunderts zuerst Rudolf Erich Raspe, und die dann auf Umwegen zu Bürger gelangten, der seine eigene Version daraus machte. Der Lügenbaron Münchhausen ging auch als Synonym in den allgemeinen Sprachgebrauch über, so gibt es etwa auch das Münchhausen-Syndrom. Eine der bekanntesten Münchhausen-Verfilmungen entstand 1943 und war einer der erfolgreichsten Kinofilme der Zeit des Nationalsozialismus. Auftraggeber war Reichspropagandaminister Joseph Goebbels, der damit Hollywood Konkurrenz machen wollte, wofür sich Hans Albers als Hauptdarsteller und Erich Kästner als Drehbuchautor hergaben. Allerdings dominierte die charmante Ironie und die Phantastik der Geschichte, die eher dem Eskapismus als der Propaganda diente. Auch den tschechischen Animationsfilm-Pionier Karel Zeman muss die Phantastik der Geschichte gereizt haben, die zur Spielwiese für seinen absurden visionären Einfallsreichtum wird, inspiriert von Gustave Dorés Darstellungen von bizarren Fabelwesen und seinen Stahlstichen für die damaligen Münchhausen-Veröffentlichungen. Dabei zeigt sich auch der Einfluss des Filmpioniers Georges Méliès und seines Films „Die Reise zum Mond“ von 1902. Denn das erste Mal begegnet der Zuschauer Münchhausen auf dem Mond an der Seite von Cyrano de Bergerac, bevor es mit den beeindruckend phantasievollen und surrealen Abenteuern auf der Erde weitergeht, darunter natürlich auch der legendäre Ritt auf einer Kanonenkugel über eine belagerte Stadt. Neben anderen Zeman-Filmen wurde jetzt auch „Baron Münchhausen“ in restaurierter Form auf DVD und Blu-ray neu aufgelegt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Thomas Kerpen