Foto

BILL PRITCHARD

Haunted

Seit beinahe zwölf Jahren ist der englische Sänger und Songschreiber nun ein heimlicher Favorit im Stall des stets geschmackvoll kuratierten des Hamburger Tapete-Labels. Sein 14. Album glänzt dabei mit den typisch unaufgeregten Songperlen zwischen Indiepop und Janglefolk, die Pritchards Werk seit Mitte der 1980er definieren. Eingespielt wurde das Album im Bureau B-Studio mit Tapete-Chef Gunther Buskies sowie der Session-Drummer-Legende Zwanie Johnson. Letzterer spielt bei nahezu allen Nummern die Drums, während Buskies, ein Multi-Instrumentalist wie er im Buche steht, nahezu jegliches erdenkliche sonstige Instrument eingespielt hat. Das Album erscheint etwas knackiger als das vorherige (mit den vertonten Patrick Woodcock-Gedichten), dies mag der straffen, aber detailverliebten „Inhouse“-Produktion geschuldet sein, tut dem Album aber definitiv einen Gefallen. Pritchard wirkt so fokussiert wie selten, womöglich hat das Tapete-Team hier eines seiner stärksten Releases vorgelegt. Mit „Sunsets in Poland“ hat es im übrigen ein weiterer Woodcock-Text auf das Album geschafft. „Haunted“ macht vom schmissigen Opener „Perpetual tourist“ bis zum besinnlichen Abschluss „Oxygen“ eine gute Figur und erneut bleibt die Frage, warum im Kontext eines solchen Künstlers wie Pritchard stets Begriffe wie „Außenseiter“, „übersehen“ oder „unterschätzt“ genannt werden müssen.

Anzeige