
Die Vulgarität der deutschen Fassung von David Lynchs „Blue Velvet“ vor allem in Bezug auf die Figur Frank Booth, einem von Dennis Hopper gespielten psychopathischen und perversen Drogendealer, ist auch 40 Jahre später immer noch beeindruckend. Hopper wird wie so oft von Joachim Kerzel gesprochen, der hier eine mit zahlreichen Variationen von „Fick“ gespickte Fäkalsprache-Orgie zum Besten gibt. Aber auch ansonsten handelt es sich um eine der Paraderollen von Hopper („Ich ficke alles, was sich bewegt!“), der aufgrund seiner Drogenprobleme zu dieser Zeit als extrem schwierig galt und seinen inneren Dämonen in dieser Rolle quasi freien Lauf lässt, was sich für Lynchs Film als echter Glücksfall erwies. Nach dem kreativen und kommerziellen Fiasko von „Der Wüstenplanet“ zwei Jahre zuvor konnte der im letzten Jahr verstorbene, langjährige Raucher Lynch in diesem verstörenden Meisterwerk das zur Vollendung bringen, was er 1977 mit seinem Debütfilm „Eraserhead“ begonnen hatte. „Blue Velvet“ ist Lynchs surreale und von Traumlogik bestimmte Vorstellung von Neo-Noir, in der er einem trotz hübscher Farbgebung von Anfang an brüchigen amerikanischen Kleinstadtidyll eine gefährliche und schmuddelige Unterwelt gegenüberstellt, in die der Held, ein unbedarfter Collegeboy, hinabsteigt, um eine Nachtclubsängerin aus den Fängen ihres monströsen Peinigers zu befreien. Selbst das Happy End des Films kann dem Zuschauer aufgrund der ganzen vorherigen albtraumhaften Ereignisse kaum wirkliche Erleichterung verschaffen. „Blue Velvet“ erschien jetzt das erste Mal als 4K-Version im Mediabook. Das Bonusmaterial, darunter 50 Minuten entfallene Szenen, war schon auf einer älteren Blu-ray enthalten. Neu hinzu kam die eigenwillige Doku „Blue Velvet Revisited“ in Spielfilmlänge von Peter Braatz aka Harry Rag von S.Y.P.H., der damals am Filmset zu Gast war.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Thomas Kerpen