
Was macht eigentlich ... Tony Fate? Der Gitarrist, der einst mit jeder GREY SPIKES-Platte begeisterte und der mit seinem scharfen MC5-Sound ein paar Platten lang den BELLRAYS einen bis heute nicht mehr erreichten Punch verschaffte? Er taucht aktuell bei CARNAGE ASADA wieder auf, in genau der Position. Carnage who? Laut Bandhistory sind die seit dreißig Jahren ein aktiver Bestandteil der Musikszene von Los Angeles, aber befragt man mal das allwissende Discogs, ist da ... fast nichts! 1999 gab es mal ein Album namens „Permanent Trails“, zeitweise war man auch unter dem Namen FAMILIA CARNAGE ASADA aktiv. Schätzungsweise sind sie eine jener „Nebenher-Bands“, die zwar immer wieder mal lokal Konzerte spielen, aber ansonsten recht ambitionslos sind. „Head On A Platter“ ist nun die erste Platte des Fünfers seit 25 Jahren, und ich bin hin und weg! Alleine schon Tonys Gitarre ist wie immer ein Blast, aber auch Sänger George Murillo liefert mit seinem fast schon relaxt wirkenden Sprechgesang ohne jedes Brüllen, Growlen oder Keifen sehr cool ab, er wurde mal als „the Mexican Lou Reed“ betitelt. Dave Travis und David Jones sind mit Murillo schon seit den frühen 1980ern befreundet, letzterer war mal bei MAGNOLIA THUNDERPUSSY, die Namen tauchen im Kontext diverser L.A.-Bands auf, auch von einigen SST-Bands – und Dez Cadena war auch mal bei CARNAGE ASADA. Bassist Steve Reed spielte einst bei LEGAL WEAPON, musizierte mit Mike Watt und Sylvia Juncosa. Ich denke, das Bild fügt sich: keine Projektband, keine einmalige Session-Sache, sondern einfach Freunde, die gerne zusammen Musik machen, irgendwo zwischen Punk im Sinne von MINUTEMEN und SACCHARINE TRUST (deren Chris Stein war auch mal dabei), Psychedelic, Stoner, Spacerock und einer Spur (ja!) SANTANA, wobei letzteres niemand abschrecken sollte. Ein verblüffendes, intensives Album ohne Muckertum, das sich selbst genug ist. Wer einst alles von SST verschlang, sollte hier mal reinhören.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Joachim Hiller