Die älteren unter den Leser:innen werden sich möglicherweise noch erinnern, Mitte der 1980er Jahre galt das Angebot der damals noch existierenden Videotheken als Büchse der Pandora, durch die sich alles Schlechte in die Welt ergoss, besonders in die Kinderzimmer der Republik. Und so wurde damals fast alles, was irgendwie dem Bereich Horror oder Action zuzuordnen war, von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften auf den Index gesetzt. Viele dieser schon damals fragwürdigen Entscheidungen wurden inzwischen auf Schnittberichte.com dokumentiert. Dort erfährt man auch, dass Brian De Palmas Film „Carrie“ im Jahr 1983 mal für einige Monate indiziert war. Aber anscheinend war selbst der BPjS diese Entscheidung zu albern und so wurde der Film schnell wieder vom Index gestrichen – inzwischen ist er sogar „ab 16“ freigegeben, da hier nie irgendwelche selbstzweckhaften Splatter-Exzesse im Mittelpunkt standen. Nachdem „Carrie“ schon einige Male auf Blu-ray ausgewertet wurde, erschien jetzt auch eine Ultra HD-Fassung im Mediabook, die neben der normalen Blu-ray auch eine Disc mit bereits von anderen Veröffentlichungen bekanntem Bonusmaterial enthält. Ähnlich wie bei anderen De Palma-Filmen wie „Dressed To Kill“ führt 4K durchaus zu einer Qualitätssteigerung, ändert aber nichts am insgesamt eher „weichen“ Look von „Carrie“. Ansonsten bin ich angenehm überrascht, wie gut doch diese erste Verfilmung des ebenfalls ersten Romans von Stephen King (aus dem Jahr 1974) in formaler und inhaltlicher Hinsicht gealtert ist. Darin spielt Sissy Spacek die sechzehnjährige Außenseiterin Carrie White, die gequält von ihrer Mutter (Piper Laurie), einer religiösen Fanatikerin, und ihren Mitschülern schließlich durch ihre entfesselten telekinetischen Kräfte einen Schulball in einen blutigen Albtraum verwandelt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Thomas Kerpen