
40 Jahre nach der Gründung wirken THE CREEPING CANDIES immer noch so, als hätten sie den Proberaum gerade erst gegen ein Studio getauscht – und genau darin liegt der Reiz. „Invincible“ atmet jenen unfreiwilligen, fast rührenden Schülerband-Charme, der trotz aller Routine nie verschwindet. Die Augsburger, einst von Nikki Sudden gefördert und in dessen Schatten zur Legende gereift, feiern sich und ihre Widersprüche: Mal melancholisch, mal scharfzüngig, mal völlig überdreht. Produziert von Uli Fiedler im Wertinger Flip Top-Studio, klingt das Ganze zugleich roh und detailverliebt, dabei mit Spielfreude und Kenntnis von einigen Geheimwaffen aus dem „Katalog of Cool“ inszeniert. „Givin’ up the bad dreams“ schimmert mit Streichern und Slidegitarre, „Things have changed“ rennt los, stolpert über ein Holper-Break und grinst breit weiter, „Somehow“ mäandert im psychedelischen Dunst, halb unbeholfener Hardrock, halb neblige Party-Erinnerung. Dass hier nicht alles glatt sitzt, macht den Charme aus. „Invincible“ ist Titel und Haltung zugleich: unbesiegbar, weil man einfach weitermacht, und sich um den amateurhaften Klang der Produktion nicht weiter schert.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Gereon Helmer