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CRYTONES

The Wild Teen Sounds Of ...

Ein verschollenes Album aus dem Spanien der frühen 1990er, jetzt endlich ans Licht gezerrt – und zwar nicht aufpoliert, sondern so roh und ungeschönt, wie es damals gedacht war. Die CRYTONES aus dem katalanischen Provinznest Ultramort verbreiteten ein Chaos, das mehr kollektiver Exorzismus als reguläre Bandarbeit war. Ihre Auftritte waren kurz, ohrenbetäubend und notorisch unberechenbar: Verstärker explodierten, Drums zerbarsten und nicht selten zerstritt sich die Band mitten im Set über die nächste obskure 1960s-Coverversion. Studioalben lehnten sie grundsätzlich ab – „Gräber für Songs“ nannten sie das –, weshalb bis dato nur rissige Bootlegs, verrauschte Probenmitschnitte und die berüchtigte EP „Sin Luz Y Con Fuzz“ kursierten. Musikalisch schwelgten die CRYTONES in fuzzgetränkter Garage-Psychedelia, getrieben von Tremolo, Farfisa-Orgeln und einer verzweifelten Wut, die wie ein Nachhall postfrankistischer Orientierungslosigkeit wirkte. Klanglich irgendwo zwischen MUSIC MACHINE, frühen CRAMPS und einer nächtlichen Geisterbeschwörung, die stets kurz davor stand zu entgleisen. Auf dieser jetzt erschienenen LP finden sich neben obskuren Eigenkompositionen wie „Noche de cementerio“ oder „Grita o muere“ auch Coverversionen, die längst Kultstatus besitzen. Ihre wilde Attacke auf „Wild man“ von THE TAMRONS hinterlässt verbrannte Erde. Dass die Band nach wenigen Jahren implodierte, überrascht kaum: Mit dieser Veröffentlichung hat Bachelor Records das Phantom endlich materialisiert: „The Wild Teen Sounds Of ...“ ist kein glattpolierter Nachlass, sondern ein vibrierendes Dokument, das zeigt, wie kompromisslos, wütend und lebendig der spanische Underground jener Jahre war. Positive Verstärkung für alle, die Garage-Rock als Störung im System und nicht als Nostalgie begreifen.

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