
Dieses Buch beginnt damit, dass der Protagonist wach wird, weil er auf die Toilette muss. Nun gut, denken sich jetzt manche, der Autor ist ja nicht mehr der Jüngste, sie wird schon autobiografisch geprägt sein, diese Szene. Tristan Weiss, die jugendliche Hauptfigur des neuen Jan Off-Romans, lebt allerdings im Jahr 2161. Da wacht man nicht einfach so auf. Da bestimmt die Hüterin, also ein Kontrollchip am Arm, wann du aufwachst. Das Leben im Jahr 2161 ist ein kontrolliertes. Wie lange du schläfst, was du isst, was du lernst und wer du bist, all das bestimmt das Komitee der Allgemeinen Einsicht, die Weltregierung. Alle Menschen – hier „Verschmutzer“ genannt – leben weltweit nach den gleichen Mustern. Hass, Missgunst und Aggression sind wegerzogen oder werden von der Hüterin unterdrückt. Es gibt keine Kriege, keine Staaten, keine Grenzen. Das Zeitalter des Barbarismus – also die Zeit, in der wir leben – hat man hinter sich gelassen. Und man schläft eben dann, wann das KDAE es will. Tristan aber wacht vermehrt vor dem Weckruf auf, beginnt Fragen zu stellen, die Welt, in der er lebt, zu ergründen und stellt bald fest, dass doch nicht alles so harmonisch ist, wie er zu glauben erzogen wurde. Bald schon landet er in einem Szenario, das auch „Squid Games“ entstammen könnte. Jan Off erschafft hier eine Welt, die Querverweise auf die großen Dystopien der Literaturgeschichte mitbringt, weckt aber durchaus auch Erinnerungen an neuere Reihen wie „Die Bestimmung“ oder „Die Tribute von Panem“. Ein jugendlicher Held, der mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert wird und aufbegehrt. Oder eben versucht aufzubegehren. Gute Idee, gutes Buch, es dürfte aber gerne ein bisschen dicker sein.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und H.C. Roth