
Zine in Urform. Der Bibliothekar in mir sagt spontan: eine schlecht getackerte Loseblattsammlung. Formal sind die vorliegenden drei Ausgaben des „Zentralorgans der nonkonformistischen Hedonistinnen und Hedonisten“ das rudimentärste, was hier seit langem hier auf dem Tisch gelandet ist. Jede Ausgabe besteht aus kopierten im Collage-Stil gestalteten A4-Blättern, die oben links (wenigstens da!) zusammengeheftet sind. Kann man dann so wegblättern, hat aber auch eher Schülerzeitungscharakter. Inhaltlich sind die drei Nummern jeweils einem Thema gewidmet und schwanken zwischen DaDa, Avantgarde und Philosophie: #221 widmet sich augenzwinkernd dem Phänomen der „Zweiwortfloskeln und Doppiophrasen“, #297 ist die umfangreichste Ausgabe, in der sich verschiedenste Autor:innen mit dem Werk von Erich Kästner auseinandersetzen, und #318 (Der Ritt), die schönste, weil absurdeste Nummer: Auf 14 Seiten werden im Blocksatz die Geräusche eines Reitausflugs in gedruckter Form dargestellt. Das ist schon Kunst, weil die Idee stimmt und die Umsetzung auch schön absurd ist. DDL ist eine sehr unmittelbare Art von subkulturellem Rundbrief, der auf konventionelle Zine-Themen scheißt und seit 1996 den Weg der Underground-Kunst und Philosophie geht. Macht Spaß, als „richtiges“ Heft würde es mir altem Zine-Spießer noch besser gefallen, so fleddert mir das zu viel rum. Möglicherweise gehört gerade das ebenso zum Konzept. Impressum wär auch nicht schlecht.