
Jodie Fosters Karriere als Schauspielerin begann früh, aber nicht wirklich ungewöhnlich. Nach Auftritten in Fernsehserien wie „Bonanza“ oder „Kung Fu“ Anfang der 1970er drehte sie einige Disney-Filme. Ungewöhnlich für ihre Karriere dürfte hingegen sein, dass die damals 13-Jährige 1976 ausgerechnet durch ihre Rolle als minderjährige Prostituierte in Martin Scorseses „Taxi Driver“ größere Bekanntheit erlangte und sogar als beste Nebendarstellerin für einen Oscar nominiert war. Im selben Jahr spielte sie in Nicolas Gessners „Das Mädchen am Ende der Straße“ noch eine weitere ähnlich provokante Rolle wie in „Taxi Driver“. Denn darin zieht sie sich vor der Kamera aus (von hinten) und hat Sex mit einem wesentlich älteren Jungen, was heutige Eltern von minderjährigen Darsteller:innen nicht mehr so ohne weiteres durchwinken würden. Für weiteres Unbehagen sorgt, dass besagte Rynn allein in einem Haus wohnt (der Dichter-Vater ist nie zu Hause oder arbeitet – angeblich) und dort vom pädophilen Sohn (Martin Sheen in einer seiner ekeligsten Rollen) ihrer Vermieterin belästigt wird. Der Schweizer Gessner verfilmte hier den als Bühnenstück konzipierten, auch ins Deutsche übersetzten Roman von Laird Koenig, der bei der Adaption als Drehbuchautor fungierte, was eigentlich immer ein gutes Zeichen ist. Ein konventioneller Krimi ist „Das Mädchen am Ende der Straße“ jedenfalls nicht, der jetzt noch mal auf DVD und Blu-ray in ansprechender Qualität und mit einem Audiokommentar des Filmgelehrten Marcus Stiglegger neu aufgelegt wurde. Das schauspielerische Selbstbewusstsein von Foster ist beeindruckend, aber Gessners kammerspielartig inszenierter „Pippi Langstrumpf meets Hitchcock“-Psychothriller bleibt insgesamt etwas zu unentschlossen bei der Auflösung seines Mysteriums.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Thomas Kerpen