
Mit dem Serienmörder Hannibal Lecter, einem äußerst kultivierten Psychiater mit kannibalistischen Neigungen („Hannibal the cannibal“), hatte der US-amerikanische Autor Thomas Harris in den 1980ern einen echten Popstar unter den fiktiven Psychopathen der Trivialkultur erschaffen. War Lecter 1981 in „Roter Drache“ noch eine Nebenfigur, beteiligte er sich 1988 in „Das Schweigen der Lämmer“ maßgeblich an der Jagd auf einen anderen, „Buffalo Bill“ genannten Serienmörder, der üppige junge Frauen um Teile ihrer Haut erleichtert und eine Mischung aus Ed Gein und Ted Bundy darstellt. Wurde Lecter in Michael Manns „Roter Drache“-Verfilmung „Blutmond“ von 1986 noch von Brian Cox verkörpert, übernahm die Rolle in Jonathan Demmes oscarprämiertem „Das Schweigen der Lämmer“ fünf Jahre später Anthony Hopkins, der dem intellektuellen Kannibalen eine unglaublich beängstigende Aura verlieh, obwohl er eigentlich fast den ganzen Film über in der verliesartigen Zelle eines Krankenhauses für geistesgestörte Straftäter sitzt. Dort entwickelt sich eine eigenartige Beziehung zur angehenden FBI-Agentin Clarice Starling, die mit der Aufklärung des Falls betraut wurde und deren Kindheitstraumata das Interesse des mörderischen Psychiaters erregen, der zu einer Art Vaterersatz für sie wird. In der deutlich banaleren Fortsetzung „Hannibal“ von Ridley Scott spielte Hopkins dann ebenfalls Lecter, ebenso wie in der gelungeneren Neuverfilmung von „Roter Drache“ von 2002. Auf Blu-ray war „Das Schweigen der Lämmer“ bereits erhältlich, jetzt gibt es auch eine 4K-Auswertung im Mediabook mit UHD und Blu-ray, die reichlich Bonusmaterial enthält. Im Schaffen von Demme und im Kanon des Serienkillerfilms ist „Das Schweigen der Lämmer“ aufgrund seiner fast märchenhaften Atmosphäre immer noch eines der herausragendsten und zeitlosesten Werke.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Thomas Kerpen