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DAS VERSCHWINDEN DES JOSEF MENGELE

Totalitäre Systeme sind in der Regel der perfekte Nährboden für menschliche Verkommenheit, aber die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland scheint in dieser Hinsicht einige besonders abschreckende Beispiele hervorgebracht zu haben. Allen voran Josef Mengele, Sohn des Günzburger Fabrikbesitzers Karl Mengele, der von 1943 bis 1945 Lagerarzt im KZ Auschwitz-Birkenau war und menschenverachtende medizinische Experimente an Häftlingen durchführte. Unzählige Menschen wurden Opfer von Mengeles abartigen Studien, die er entweder im Anschluss selbst umbrachte oder schon vorher selektierte, um sie vergasen zu lassen. Wie viele andere Nazis konnte sich Mengeles nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Südamerika absetzen und gehörte bis zu seinem Tod (er ertrank 1979 mit 67 Jahren beim Schwimmen im Meer, als er einen Schlaganfall erlitt) zu den am meisten gesuchten NS-Kriegsverbrechern. Während Adolf Eichmann 1960 vom israelischen Geheimdienst in Argentinien gefasst wurde, konnte sich Mengele immer wieder seiner Verhaftung entziehen. 2017 veröffentlichte Olivier Guez, der zuvor das Drehbuch für den Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ geschrieben hatte, seinen auf Tatsachen beruhenden Roman „Das Verschwinden des Josef Mengele“, in dem er wie in einem Thriller dessen Leben auf der Flucht schildert, wobei diese Vermengung von Facts und Fiction von Historikern kritisch gesehen wurde. Kirill Serebrennikow („Leto“) adaptierte das Buch in nüchternen Schwarz-Weiß-Bildern (nur das Grauen im KZ findet in Farbe statt), auch wenn seine gelungene – nicht zuletzt wegen der großartigen Verkörperung dieses bis zum Ende unbelehrbaren Massenmörders durch August Diehl –, jetzt auf DVD und Blu-ray erschienene Verfilmung den introspektiven Charakter der Vorlage nur bedingt wiedergeben kann.

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