
Nein, es handelt sich hier um keinen Schreibfehler, der Würger kommt hier tatsächlich nicht auf „leisen Sohlen“ sondern „leisen Socken“. Nicht die einzige Merkwürdigkeit bei Guido Zurlis Film, der eigentlich „Lo strangolatore di Vienna“ heißt, also „Der Würger von Wien“, wobei aus dem Würger im englischsprachigen Ausland auch ein „Mad Butcher“ wurde. Obwohl die deutsche Kino- und VHS-Fassung offenbar vollständig waren, wurde bei der qualitativ deutlich verbesserten DVD-Veröffentlichung bei einigen Stellen die italienische und englische Tonspur (deutsch untertitelt) verwendet. Da das Ganze ja in Wien spielen soll, erlaubte sich die deutsche Synchro den Spaß, den Beteiligten einen wenig authentischen österreichischen Akzent zu verpassen. Tatsächlich entstanden die Außenaufnahmen in Wien, der Großteil wurde aber in den italienischen Cinecittà Studios gedreht, was dem Film von Zurli (dessen sonstige Filmografie wenig aufregend ist) eine ziemlich künstliche und unrealistische Atmosphäre verleiht und ihn schon alleine visuell in Grand Guignol-Nähe rückt. Auch thematisch erinnert der makabere und eher parodistische „Der Würger kommt auf leisen Socken“ an das Pariser Horror-Theater. Der US-amerikanische Darsteller Victor Buono spielt darin im Wien der 1930er Jahre einen gerade aus der Irrenanstalt entlassenen Metzger, der sein altes Gewerbe weiter betreibt, indem er von ihm umgebrachte Frauen zu äußerst schmackhaften Würsten verarbeitet, was auch an „Blood Feast“ erinnert, Herschell Gordon Lewis’ trashiger erster Splatterfilm der Filmgeschichte. Bereits 1964 hatte Buono in dem etwas drögen „Der Würger von Boston“ einen gestörten Frauenmörder gespielt, aber sein Sweeney Todd-artiger Wiener Würger besitzt deutlich höheren Unterhaltungswert.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Thomas Kerpen