
Es ist nicht ungewöhnlich, dass erfolgreiche europäische Filme für den amerikanischen Markt neuverfilmt werden, da das US-Publikum Synchronisationen und Untertitel nicht sonderlich mag. Auch der Franzose Francis Veber musste diese Erfahrung machen, als sein Film „Dinner für Spinner“ von 1998, basierend auf seinem eigenen Theaterstück, 2010 von Jay Roach ziemlich miserabel neuverfilmt wurde. Nicht wesentlich überzeugender war 1996 Mike Nichols’ Remake von Édouard Molinaros „Ein Käfig voller Narren“ von 1978, für den Veber ebenfalls das Drehbuch schrieb. Bereits zuvor hatten Veber und Molinaro bei „Die Filzlaus“ zusammengearbeitet, ebenfalls basierend auf einem Theaterstück von Veber. 1981 drehte Billy Wilder das Remake „Buddy Buddy“ mit Walter Matthau und Jack Lemmon in den Hauptrollen. Nicht nur ist die schauspielerische Chemie zwischen Matthau und Lemmon besser als die von Jacques Brel, der ja vor allem als Chansonnier bekannt geworden war, und Lino Ventura im Original, auch Wilders Drehbuch wirkt weniger abstrus. Was nicht heißt, dass „Die Filzlaus“ (eigentlich wäre die „Die Nervensäge“ die korrekte Entsprechung des Originaltitels „L’Emmerdeur“) ein schlechter Film wäre, der aber ein wenig unter der wie immer übertriebenen Synchronisation von Rainer Brandt leidet. „Die Filzlaus“ erschien jetzt das erste Mal auf Blu-ray (neben einer DVD-Neuauflage), die Qualität ist gut und Untertitel für das französische Original gibt es auch. Das von Veber und Molinaro in „Die Filzlaus“ entwickelte parodistische Film noir-Szenario ist auf jeden Fall immer noch herrlich grotesk und unterhaltsam, denn Ventura spielt darin einen genervten Profikiller, der bei der Ausübung seines Berufes ständig von einem aufdringlichen Hemdenvertreter mit Selbstmordgelüsten gestört wird, der von seiner Frau verlassen wurde.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Thomas Kerpen