Komischerweise kann ich mich noch genau erinnern, wann und wo ich Taylor Hackfords Stephen King-Adaption „Dolores“ (Originaltitel „Dolores Claiborne“) das erste Mal gesehen habe, nämlich 1995 auf dem 9. Fantasy Filmfest in Essen. Weniger gut ist meine Erinnerung an den Film selbst, ein bedächtig erzähltes Mutter-Tochter-Drama mit Thriller-Elementen, das mich sanft entschlummern ließ, trotz der Anwesenheit von Kathy Bates, die 1990 Rob Reiners Verfilmung des King-Romans „Sie“ unter dem Originaltitel „Misery“ zu einem echten Hit gemacht hatte. „Dolores“ entsprach nicht unbedingt dem, was man vom „King of Horror“ erwartete, und so steigerte die eigene Erwartungshaltung noch die Enttäuschung über dieses allzu anrührende psychologische Drama. Auch das Buch fehlt in meiner King-Sammlung, das ich mir vielleicht doch noch mal zulegen sollte. Denn Verfilmung und Vorlage unterscheiden sich teils erheblich, da die Beziehung der Hauptfigur Dolores Claiborne, die die wohlhabende ältere Dame, für die sie schon seit Jahren als Haushälterin arbeitete, angeblich umgebracht haben soll, zu ihrer Tochter im Buch keine Rolle spielt. Stattdessen ist die Story wie ein Polizeiverhör strukturiert, in dem Dolores ihre Lebensgeschichte erzählt, in der auch der mysteriöse Tod ihres Mannes eine wichtige Rolle spielt, was auf ein überraschendes Geständnis hinausläuft. Von übernatürlichen Elementen oder Monstern keine Spur, auch wenn einige der Beteiligten durchaus monströse Züge besitzen. Bisher erschien der Film nur auf DVD und wurde im Fernsehen gezeigt, auf Blu-ray erschien er jetzt das erste Mal (nur in einer Mediabook-Version), in guter Qualität und mit zusätzlichem Bonusmaterial. Ich bereue es nicht, dem subtil inszenierten Film noch mal eine Chance gegeben zu haben, alleine schon wegen der überdurchschnittlichen darstellerischen Leistungen von Kathy Bates und Jennifer Jason Leigh.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Thomas Kerpen