
Die Entschlossenheit eines Labels und die Überzeugung von der Qualität einer fast 30 Jahre alten Aufnahme machen es möglich, in Kontakt mit einer weitgehend unbekannten Band zu geraten. Man darf sich unerhört gutem Material widmen, das so besonders ist, dass man sich fragt, warum es nicht zum Kanon gehört. Leider existierte das Mathrock/Post-Hardcore-Trio aus Philadelphia nur kurz: „Drill For Absentee was an active band from August 1995 to January 2000.“ Die substanziellste Veröffentlichung bis zu ihrer Auflösung ist die EP „Circle Music“ (1998). Mit neuem Mastering ausgestattet und um die selbstbetitelte 7“ (1997) sowie um je einen unveröffentlichten und einen 2023 neu aufgenommenen Song ergänzt, ist „Circle Music + 4“ das knappe Rundumpaket. Das 12“-Vinyl ist ein einziger Wirkungstreffer im klanglichen Dunstkreis von SLINT, UNWOUND oder DRIVE LIKE JEHU. Sicherlich tendieren auch einige Screamo-Bands dazu, ähnliche Strukturen zu verwenden, um emotionale Intensität zu erreichen – abgesehen davon, dass auf „Circle Music“ kaum geschrien wird. In dem gefassten Spoken-Word-Vortrag verbirgt sich eine literarische Uneindeutigkeit, die nur wenige Pinselstriche benötigt, um die ganze Komplexität zwischenmenschlicher Gefühlswelten auszudrücken.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Henrik Beeke