Foto

DAZZLING KILLMEN

Face Of Collapse

Das Schaffen der 1990 gegründeten DAZZLING KILLMEN aus St. Louis, Missouri ist ziemlich überschaubar, sie nahmen nur zwei Studioplatten auf, 1992 das nur noch schwer aufzutreibende Debüt „Dig Out The Switch“ und 1994 „Face Of Collapse“. 1993 erschien noch der Live-Mitschnitt „Lounge Ax“ auf Musikkassette. Noch recht gut erhältlich ist die von Skin Graft veröffentlichte Compilation „Recuerda“ von 1996 mit Single- und Live-Stücken und unveröffentlichtem Material. Ebenfalls bei Skin Graft erschien das von Steve Albini aufgenommene finale Album „Face Of Collapse“, das bereits 2016 in einer Deluxe Edition als LP und CD neu aufgelegt wurde (mit drei Bonusstücken, darunter „Poptones“ von PiL, und Booklet mit Comic-Art und Linernotes) und jetzt erneut in beiden Formaten veröffentlicht wurde. Die große Frage bei DAZZLING KILLMEN war und ist, was die Band da eigentlich genau fabrizierte, wobei Begrifflichkeiten wie Mathrock, Noise, Jazz oder Post-Hardcore/Metal infrage kämen, ohne dass sich die Band in eine bestimmte Schublade pressen ließ. Wohl gefühlt hätten sie sich sicher auch auf Amphetamine Reptile Records, denn die Parallelen zu deren Noiserock-Veröffentlichungen sind überdeutlich. Auf der anderen Seite scheinen DAZZLING KILLMEN in ihren vertrackteren Momenten John Zorn näher zu sein als etwa THE JESUS LIZARD, auch wenn ihre destruktive Energie vergleichbar ist. Diese Neuauflage ist auf jeden Fall begrüßenswert, denn auch weiterhin sind DAZZLING KILLMEN im Noiserock-Kanon eine viel zu wenig beachtete Band und ihr finales Album ist vollkommen unterschätzt. Einfach machen sie es dem Hörer sicher nicht, aber die rohe, nihilistische und virtuos umgesetzte Energie der Platte hat nichts von ihrer innovativen Qualität verloren.