Man würde Joel Schumacher, der sich 2013, sieben Jahre vor seinem Tod, aus dem Filmgeschäft verabschiedet hatte, wohl spontan als typischen Mainstream-Regisseur einsortieren, der in den 1980ern Brat-Pack-Filme wie „St. Elmo’s Fire“ drehte und in den 1990er sogar gleich zwei Batman-Filme. Doch Schumachers Umgang mit Genre-Elementen und der Ästhetik des Mainstream-Kinos erwies sich oft als erstaunlich subversiv und abseitig, was besonders für seinen im Porno-Milieu angesiedelten morbiden Selbstjustizthriller „8mm“ von 1999 gilt. Sieben Jahre zuvor entstand „Falling Down“, eine böse, anfangs sehr satirische Bestandsaufnahme des amerikanischen Traums, der jetzt auf Blu-ray neu aufgelegt wurde – neben einem Mediabook ist auch eine normale Amaray erhältlich. Michael Douglas spielt darin einen gewissen William Foster, der zu Beginn des Films an einem heißen Tag im Stau in Los Angeles feststeckt und das Schicksal vieler Erwerbstätiger teilt. Für den frustrierten Durchschnittsbürger, der geschieden ist und seinen Job in der Rüstungsindustrie verloren hatte, ist das aber der persönliche Kipppunkt. Er lässt einfach sein Auto stehen und begibt sich auf einen bizarren Amoklauf durch Los Angeles – verfolgt von Robert Duvall als Polizist an seinem letzten Arbeitstag –, mit dem Ziel, seiner Tochter ein Geburtstagsgeschenk zu überreichen. Dabei wird Fosters Waffenarsenal immer größer, erst ist es nur ein Baseballschläger, schließlich läuft er mit Maschinenpistole und Panzerabwehrwaffe durch die Gegend. Leider verliert der gelungen inszenierte und actionreiche „Falling Down“ am Ende seinen anfänglichen satirischen Fokus aus den Augen und rückt immer mehr die menschliche Seite des von Douglas großartig gespielten Psychopathen in den Mittelpunkt, um den vermeintlichen Bösewicht irgendwie zum tragischen Antihelden zu machen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Thomas Kerpen