
Die berühmte Eröffnung von George Orwells „1984“ rahmt das vierte Album der Post-Rockband GLEN ein. Der Titel „It Was A Bright Cold Day In April, ...“ findet sein literarisches Ende im Closer „.. and the clocks were striking thirteen.“ Es gibt die üblichen instrumentalen Zutaten, darüber hinaus ein Piano, Synthesizer, ein paar hintergründige Stimmen und verschiedene Saxophone, die auch mitunter von Gasmusiker:innen beigesteuert werden. Die einzigen permanenten Mitglieder sind die beiden Gitarrist:innen. Über die Gründungsmitglieder hinaus sind Veränderungen im Line-up die Regel, nicht die Ausnahme. Als Referenz kommen die raffinierteren Genrevertreter in den Sinn, in Ansätzen TORTOISE oder HALMA, obwohl GLEN deutlich ausufernder zu Werke gehen. Wären die Arrangements noch eleganter, dann könnte fast das Spätwerk von TALK TALK als Vergleich herhalten. Doch an lauteren Stellen entfernt sich das Quartett eher vom handwerklich ausgezeichneten, kreativen Schönklang und wendet sich einer behutsamen Beschleunigung und Verfestigung der Songstrukturen zu, anstatt Flüchtigkeit und Formlosigkeit zuzulassen. Das Album vereint spannungsgeladene, experimentelle Phasen mit originellen, rhythmisch treibenden Entladungen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Henrik Beeke