
Goblin ist die Bezeichnung für kleine, meist bösartige und grotesk hässliche Plagegeister oder Gespenster. Das Post-Punk-Duo aus Hamburg repräsentiert hingegen einen kristallinen und druckvoll-emotionalen Sound, wie aus den Neon-Clubs der frühen 1980er Jahre mit Hamburger Bands wie ABWÄRTS, GEISTERFAHRER und speziell CYAN REVUE, so bei „Ratfight“ und „Godless“. GOBLYN sind stripped down auf das Wesentliche konzentriert, mit geradlinigen Basstunes und Gitarren und einem hypnotischen Gesang – Sänger Leo hätte bei einem Rowland S. Howard-Lookalike-Contest große Chancen –, die genau so viel Energie haben wie etwa die frühen GANG OF FOUR, als diese noch wütend waren. Es gibt zudem stimmliche Reminiszenzen, etwa bei „Godless“, an Frank Tovey aka Fad Gadget. „Stray“ hätte problemlos 1982 auf Mute Records erscheinen können. „Fright“ erinnert vom Stil her ein wenig an DIE ERDE, und Tobias Gruben würde dieser Song vermutlich gefallen. „Morsleben“ ist ein fulminantes und dystopisches Albumhighlight. Es klingt ein wenig wie KASTRIERTE PHILOSOPHEN mit dem Gesang von Matthias Arfmann, anstatt dem von Katrin Achinger. Durch das repetitive Schwingen haben die Songs eine konsequent hypnotische Kraft. Der Song „Wire“ hat (nomen est omen) tatsächlich den Drive der frühen WIRE um Colin Newman. „Stray“ ist aktuell eines der besten und wandlungsfähigsten Debütalben in diesem Genre. Da ist ein enormer Spannungsbogen bis zum nächsten Album: Give me more, pretty soon!
© by - Ausgabe # und 29. März 2022
© by - Ausgabe # und 9. Juni 2021
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Markus Kolodziej