
Wenn ich für 2025 eine „Unbedingt lesen“-Empfehlung oder eine Top 5 für Comics abgeben müsste, wäre „Habemus Bastard“ definitiv darunter. Alles, was zu diesen zwei Bänden vorab an Lob ausgeschüttet wurde, trifft auf diese handwerklich exzellent umgesetzte Gangster-Familienclan-Geschichte mit Witz, Drive und klasse Storyline zu. Einem Killer unterläuft ein klitzekleiner Fehler, der ihn in einer Priestersoutane in das französische Jura verschlägt, wo er sich anfangs mehr schlecht als recht als Geistlicher durchschlägt, dann aber durch seine unprätentiöse Art die Kirche mehr und mehr füllt, bis es zum unvermeidlichen Showdown kommt. Wer das Szenario von „Rocco Schiavone“ mag, wird diese Story lieben. Auch dieser Killer hat ein Herz und regelt Dinge auf eine Weise, die Priestern normalerweise nicht zu eigen sind, dafür sind sie effektiv. Sylvain Vallée hat einen Zeichenstil, der ansatzweise an die Leichtigkeit von Hermann erinnert und echte Charakterköpfe produziert, aber so präzise und perfekt ist, dass man in seine detailverliebten Architekturzeichnungen und verschneiten Landschaften förmlich eintauchen kann. Da beide Bände vorliegen, kann man die Geschichte in einem Rutsch durchlesen, was zumindest bei mir eine kurze Nacht bedeutet hat, weil man einfach nicht aufhören kann, bis die Messe am Ende gelesen ist. Der Showdown ist blutig und in etwa so, wie ihn John Woo filmisch auch umgesetzt hätte. Gespoilert wird nicht, auch weil es den einen oder anderen Plot-Twist zerstören würde. Wer sich diesen Doppelband entgehen lässt, ist selbst schuld, denn das hier ist definitiv eines der Highlights des Jahres 2025.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Kalle Stille