Bei „Heretic“ (was im Englischen für „Ketzer“ oder „Andersdenkender“ steht), der aktuell auf DVD und Blu-ray erschien, führten Scott Beck und Bryan Woods Regie, die 2018 auch zusammen das smarte Drehbuch für John Krasinskis fast lautlosen apokalyptischen Monster-Horrorfilm „A Quiet Place“ schrieben. 2019 führten sie dann beim routinierten Spukhaus-Slasher „Halloween Haunt“ Regie, gefolgt vom durchschnittlichen Sci-Fi-Actioner „65“ des Duos, das sich schon seit Kindesalter kennt und immer gemeinsam an Filmen arbeitetet. Laut Wikipedia ist ein Ketzer „eine Person, die von der offiziellen Kirchenlehre abweicht oder, allgemeiner, jemand, der öffentlich eine andere als die in bestimmten Angelegenheiten für gültig erklärte Meinung vertritt.“ Dieser Häretiker namens Mr. Reed wird von Hugh Grant gespielt, der mit 64 Jahren nicht mehr unbedingt die Idealbesetzung für klebrige Liebeskomödien ist, aber dieses Jahr dennoch in einem weiteren „Bridget Jones“-Film an der Seite von Renée Zellweger zu sehen ist. Auf diesen sympathischen älteren Herrn treffen die beiden jungen Mormoninnen Schwester Barnes (Sophie Thatcher aus „Yellowjackets“) und Schwester Paxton, die an der Haustür Leute mit ihrer christlichen Botschaft belästigen. Gut eine Stunde lang ist man versucht, „Heretic“ für einen der smartesten Horrorfilme der letzten Jahre zu halten, der trotz seines eingeschränkten Kammerspiel-Charakters unaufdringlich thought-provoking und ziemlich spannend ist. Denn Mr. Reed stellt in seinem unscheinbaren Vorstadthaus den Glauben der beiden naiven jungen Frauen auf diabolische und scharfsinnige Weise auf die Probe, die dessen Intellektualität nichts entgegenzusetzen haben. Leider entpuppt sich am Ende die große Überraschung in Mr. Reeds Keller als haarsträubender Unsinn, womit Beck und Woods ihren Film nachhaltig beschädigen.
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