Die Roald Dahl-Adaption „Hexen hexen“ („The Witches“) gehört zu den deutlich kommerzielleren Filmen des britischen Kameramanns Nicolas Roeg, der mit Filmen wie „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ und „Der Mann, der vom Himmel“ bekannt wurde, bei denen Genrefilm-Elemente und Arthouse-Kino auf eigenwillige Weise miteinander verschmolzen. Dahls Vorlage gilt als Kinderbuchklassiker, liefert aber eine märchenhafte Geschichte, deren Horrorelemente sicherlich nicht wenigen Kindern Albträume beschert haben dürften, und durch die sich der Autor auch mit Misogynie-Vorwürfen konfrontiert sah. 2020 verfilmte Robert Zemeckis das Buch erneut und versetzte die 1983 veröffentliche, in Norwegen und England angesiedelte Geschichte in die USA des Jahres 1969, um die damalige Rassentrennung zu thematisieren, denn seine Hauptdarsteller*innen sind afroamerikanischer Herkunft, was wenig authentisch wirkt. Ebenfalls 2020 veröffentlichte die Französin Pénélope Bagieu eine wesentlich gelungenere und auch hierzulande erschienene Comic-Adaption von „The Witches“, anhand derer man auch gut vergleichen kann, wie originalgetreu Roegs Verfilmung ist. Die unterscheidet sich vor allem am Ende vom Buch, denn Dahl und Roeg hatten offenbar andere Vorstellungen von einem Happy End. Neben der hervorragenden Besetzung mit Anjelica Huston als böser Oberhexe, die alle Kinder in Mäuse verwandeln will, und Rowan „Mr. Bean“ Atkinson als Direktor eines Hotels, in dem eine Hexenkonferenz stattfindet, sind aber es vor allem die fantastischen Spezialeffekte von „Muppets“-Schöpfer Jim Henson (der die Premiere des Film nicht mehr erleben konnte), die „Hexen hexen“ so sehenswert machen. Roegs erstaunlich düsterer Film erschien jetzt das erste Mal auf Blu-ray, bisher nur als hochpreisiges Mediabook mit einem Featurette über Henson und der Open Matte-Fassung als Bonus.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Thomas Kerpen