
Dies ist die Synthpunk-Seite von Marco Palumbo, die andere lebt er ja mit TRENCHKOAT, ILLEGAL LEATHER und ca. 143 anderen Bands aus. Das geht schon eindeutig in die Richtung der besten Tage von DIGITAL LEATHER, wobei IRIS PARALYSIS deutlich verspielter und variabler unterwegs sind, außerdem produzieren sie keine Füller. Hier funktioniert jeder einzelne Song, die auch alle komplett arrangiert sind. Und bei IRIS PARALYSIS ist der Gesang nicht so fies und schneidend wie bei seinen anderen Outputs. Die einseitig bespielte rote LP, mit einem wunderschönen Siebdruck auf der anderen Seite ist mittlerweile die zweite Platte des Duos Palumbo/Schazmann oder auch London/Bielefeld, die nach einer Band klingen, deren Mitglieder gleich nebenan und nicht in zwei verschiedenen Wirtschaftszonen leben. Gemächlich vorgetragener Synthsound, der lieber schlendert, als sich mit aller Gewalt die Hacken abzuwetzen. Man nickt automatisch mit, lauscht dem geschichteten, überlappenden Gesang und wundert sich, dass man in diesem nun wirklich nicht neuen Genre immer noch das eine oder andere Register ziehen kann, das nicht automatisch „klingt wie“ auslöst. Viel liegt hier im immer sehr markanten Gesang verborgen und darin, dass der Sound nicht auf das Minimalste reduziert ist, sondern noch mal einen zweiten Synthesizer drüberlegt, eine kleine Melodie hier und eine weiter dort einstreut. Die Zutaten sind das eine, die Liebe zum Detail ist das andere.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #176 Oktober/November 2024 und Kalle Stille
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #166 Februar/März 2023 und Kalle Stille
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #169 August/September 2023 und Kalle Stille