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JOE STRUMMER & THE MESCALEROS

Joe Strummer 002: The Mescaleros Years

Am 22. Dezember 2002 starb Joe Strummer, einst Sänger von THE CLASH, im Alter von gerade mal fünfzig Jahren, am 21. August 2022 wäre er siebzig geworden. So viele schöne Platten wären von Strummer noch zu erwarten gewesen, der damals mit den MESCALEROS gerade einen richtig guten Lauf hatte: 1999 war deren Debütalbum „Rock Art And The X-Ray Style“ erschienen, 2001 das gefeierte „Global A Go-Go“ auf Hellcat, und posthum kam 2003 noch „Streetcore“ mit dem Übersong „Coma girl“. Mit „Joe Strummer 001“ ist 2018 eine 32 Songs umfassende Zusammenstellung von Strummer-Material erschienen, mit „Assembly“ kam 2021 eine Art Raritätensammlung, doch mit „Joe Strummer 002: The Mescaleros Years“ gibt es nun das ultimative Package für all jene, die damals noch CDs kauften statt Vinyl, sowie für die, die damals einfach noch zu jung waren. Diese Box hier im Format und Gewicht eines dicken Bildbands – ein Coffeetable Book! – ist wirklich massiv, in jeder Hinsicht. Entstanden unter Aufsicht von Strummers Witwe Lucinda Tait und soundtechnisch bearbeitet von Paul Hicks (alles wurde neu gemastert) finden sich hier auf sieben LPs alle drei Alben, ergänzt um Outtakes und Demos. Ich bin überzeugt, dass man zwingend Julien Temples Film „Joe Strummer: The Future Is Unwritten“ (2007) gesehen haben muss, um Strummers Schaffen und seine Person verstehen zu können. Das Campfire Movement der Neunziger etwa, das im LP-großen Beiheft dieser Box erwähnt wird und das maßgeblich war für Strummers kreativen Neustart nach über einem Jahrzehnt Pause, erschließt sich erst, nachdem/wenn man den Film gesehen hat. Auch die Doku „I Need a Dodge! Joe Strummer on the Run“ (2015) ist hilfreich, um zu verstehen, wie lost Strummer nach dem Ende von THE CLASH war, als er in Spanien lebte. Die Linernotes im Booklet sind erhellend, kontextualisieren Strummer und die drei Spätwerke, werden ergänzt durch Fotos von Notizen, Tonbändern, etc., und als Bonus gibt es auch noch Reproduktionen von Notizzetteln. Schnickschnack, ja, aber ... nice. Meine Erkenntnis: Wie stark „Rock Art And The X-Ray Style“ doch ist, bislang hatte ich mich stärker auf die beiden anderen Alben eingeschossen. Cooles Artwork von Strummers Freund Damien Hirst übrigens. Alles in allem ein Must-have.