
Es ist leider Fakt, dass Split-Veröffentlichungen immer in einen Wettbewerb ausarten, der von den Bands und Labels vielleicht nicht gewollt, aber von der werten Hörerschaft dann doch immer ausgetragen wird. Gerade dann, wenn zwei Bands im selben Studio aufgenommen haben, soundtechnisch gar nicht so weit auseinander liegen, stellt sich doch mindestens die Frage, wer unter denselben Bedingungen ohne Doping und Zuhilfenahme anderer Substanzen am meisten aus der Aufnahme herausgeholt hat? Nun, in diesem Fall bin ich Team Judy, denn der manische, kurz angeschlagene Hardcore ist schon sehr eigen und speziell. Es gibt diesmal zwar keine erkennbare Coverversion, die aus dem Original etwas komplett Neues macht, aber sie spulen ihre Songs runter, als hätten sie die tausend Mal geprobt und es ginge nur noch um die Steigerung der Geschwindigkeit, in die man das Ganze packen kann. Absolut auf den Punkt, leicht irre und mit einer ansteckenden Energie, die einfach herrlich ist. SHITTY LIFE gehen musikalisch in dieselbe Richtung, lassen aber das sportliche „Ich geb’ alles“ vermissen. Schweißtreibend, sicherlich, aber eben nicht klatschnass am Ende der Session. Judy und ihre Jerks bringen auf ihrer Hälfte der LP mehr als doppelt so viele Songs unter als die Herren mit ihrem bescheidenen Leben, in derselben Spielzeit. Aber ich bin mir sicher, dass es auch Team Shitty geben wird.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #176 Oktober/November 2024 und Kalle Stille