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KIEV STINGL

Meine Sterne fallen

Er war ein unbequemer und störrischer Charakter, sein Ex-Produzent Achim Reichel befand: „Mit Stingl kann man nur in seiner Abwesenheit gut zusammenarbeiten.“ Mit „Meine Sterne fallen“ hinterlässt der 2024 verstorbene Kiev Stingl ein beeindruckendes musikalisches Vermächtnis. Das auf Hans-Joachim Irmlers (FAUST) Label Klangbad erscheinende Album ist das finale Werk eines Künstlers, der Zeit seines Lebens als exzentrischer Außenseiter der deutschen Rockgeschichte galt, der oft als „deutsches Protopunk-Urgestein“ oder „Leonard Cohen des Undergrounds“ tituliert wurde; ein Alterswerk, das durch radikale Introspektion und melancholische Tiefe besticht. Die zehn Stücke, darunter „House of drinks“ und „Gypsy queen“, bewegen sich in einem dichten atmosphärischen Geflecht aus Chanson, Avantgarde und dunklem Avant-Folk. Unter der Regie des Produzenten und Musikers Niklas David (neben Stingls Akustikgitarre liefert er die Mellotron/Moog-Klänge sowie einige Piano-Passagen) wurde eine Klangkulisse geschaffen, die Stingls brüchiger, aber autoritärer Stimme den nötigen Raum gibt. Die Texte sind gewohnt bildgewaltig und von einer existenziellen Schwere durchzogen, die in „Toten der See“ ihren Höhepunkt findet. Das Album wirkt wie ein nächtlicher Abgesang, voller Reue, aber ohne Selbstmitleid. „Meine Sterne fallen“ ist kein leichtes Hören, aber ein essentielles Dokument für Liebhaber anspruchsvoller deutscher Lyrik und unkonventioneller Soundscapes. Ein würdiger, dunkler Schwanengesang.

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