
Der Schlachthof in Wiesbaden ist eine echte Institution. Wer in den 1990er Jahren mit Hardcore und Punkrock aufwuchs, dem dürfte dieser Ort der Subkultur inmitten der Rhein-Main-Region auf jeden Fall ein Begriff sein, denn bereits damals beehrte alles, was in der Szene Rang und Namen hatte, die ehemaligen Hallen des Grauens. Rostige Metallarchitektur und zersplitterte Glasscheiben machten den „Schlachti“, wie er gerne liebevoll im Volksmund genannt wird, zum perfekten Ort für all diejenigen, die sich gerne auf Skateboards stellten, dem Pogo frönten, einen Safe Space suchten oder einfach nur der Tristesse des Alltags entfliehen wollten. Vom ursprünglichen abgewrackten Charme ist mittlerweile nichts mehr übrig, denn die alten Hallen wurden im Laufe der Jahre abgerissen und mussten eher kühl und unpersönlich wirkenden Neubauten weichen, aber die Einstellung ist immer noch die gleiche! Seit 1994 kollektiv und unabhängig betrieben, setzt sich der Schlachthof vehement gegen Diskriminierung, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie ein, und bietet ein wunderbar vielseitiges Programm aus Konzerten, Open Airs, Lesungen, Partys oder Flohmärkten. Der nun erschienene Bildband nimmt die geneigten Leser:innen mit auf eine Zeitreise – von den wilden Anfängen bis in die Zukunft. Bebildert mit unzähligen Fotografien aus dem Archiv des Kollektivs, erzählt das Buch von emotionalen Momenten wie dem Abriss der alten Gebäude, funkelnden Konzertabenden und Kultur in Corona-Zeiten und versäumt es dabei nicht, den Fokus genau auf diejenigen zur richten, die das Zentrum seit jeher mit viel Engagement und Leidenschaft mit Leben füllen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Christoph Siart