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LASS UNS EINEN SCHRITT ZURÜCKTRETEN UND DAS CHAOS BEWUNDERN, DAS WIR ANGERICHTET HABEN

Alex Gräbeldinger

Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Im Fall von Alex Gräbeldinger ist festzustellen: Da sind mindestens zwei Seelen in seinem Kopf und seiner Brust. Und die stehen im unentwegten Dialog miteinander. Grob gesagt gibt es die eine selbstzerstörerische, nihilistische Stimme und dann die andere, die aufbauende, analytische, therapeutische, heilende Fraktion. Diese Art von internem Dialog kennt in mehr oder weniger hohem Maß wahrscheinlich jede:r. Mit Engelchen und Teufelchen auf den Schultern ist die Situation allerdings nur unzureichend dargestellt. Gräbeldinger hat wohl immer hart mit diesen beiden Seiten zu kämpfen und ein kreativer Output ist möglicherweise der beste Weg, mit diesem inneren Konflikt umzugehen. In dem Buch finden sich viele Dialoge dieser beiden Persönlichkeiten. Sie führen quasi immerwährende, meist absurde Zwiegespräche zu allerlei lebensnahen, alltäglichen Themen. Das klingt unterhaltsam und ist es auch. Zunächst mal. Aber ich bin im Laufe der Lektüre zwiegespalten. Denn die schiere Masse dieser hörbuchartigen Dialoge ist auf Dauer etwas ermüdend, da bringen auch Schautafeln, Memes und Zeichnungen als Auflockerungen nur wenig. Was thematisch auf den ersten Seiten noch rüberkommt, wird über die ganze Strecke eines Buchs doch etwas beliebig und zäh. Das ist schade, denn eigentlich ist Gräbeldinger ein guter Schreiber, gerade wenn es um ätzige und selbstironische Selbstbetrachtungen geht. In diesem Format hat es meiner Meinung nach allerdings einige Längen. Als Hörbuch wäre das sicher noch mal etwas anderes. Vielleicht kommt das ja noch.

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