
2020 hatte die ehemalige LONE JUSTICE-Frontfrau Maria McKee (die Halbschwester von LOVE-Gitarrist Bryan MacLean) ein tolles neues Solo-Album namens „La Vita Nuova“ aufgenommen, zwischen Roots-Rock und Kammerpop, ihr bis dato letztes. Ihre Band LONE JUSTICE war nach nur zwei Studioplatten in den Jahren 1985 und 1986 von ihrer Plattenfirma Geffen gnadenlos als Mainstream-Country-Act verheizt worden, dennoch gilt die ähnlich wie X ein paar Jahre zuvor in Los Angeles im Spannungsfeld von Roots-Rock und Punk groß gewordene „Cowpunk“-Band, die auch mit U2 auf Tour war, inzwischen als einer der Vorreiter von Alternative Country. Kommerziell erfolgreicher war McKee dann ab 1989 als mit dem Mainstream kokettierende Solo-Künstlerin, auch dank einiger Soundtrack-Beiträge wie „Show me heaven“ für „Tage des Donners“, „Never be you“ für Walter Hills „Straßen in Flammen“ und „If love is a red dress“ für „Pulp Fiction“. 1987 lösten sich LONE JUSTICE auf und es überrascht, dass die Band quasi in der Originalbesetzung des selbstbetitelten Debüts von 1985 noch mal zusammenfand – Drummer Don Heffington verstarb 2021. Dabei irritiert schon mal das Vintage-Bandfoto aus den 1980ern auf dem Cover, ebenso wie die Songauswahl des erstaunlich kurzen Albums, darunter drei Traditionals, „Sister Anne“ von MC5 im eigenwilligen Honky-Tonk-Gewand, „I will always love you“ von Dolly Parton (eine frühe Supporterin der Band), „Nothing can stop my loving you“ von Country-Legende George Jones oder „Teenage kicks“ von THE UNDERTONES, was aber erstaunlich gut funktioniert. „Viva Lone Justice“ wird sicherlich nicht als legendäres Reunion-Album in die Musikgeschichte eingehen, aber die Band kann damit noch mal gelungen ihre Einflüsse herausarbeiten, zwischen konservativem Country und Punk, vielleicht sogar deutlich besser als in den 1980er Jahren.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Thomas Kerpen