
Die Wiederentdeckung von LOS Z-66 durch Munster und Runaway Records ist ein kleiner archäologischer Glücksfall für Liebhaber des europäischen Beat, Garage und Soul der späten 1960s. Die nun erstmals wiederveröffentlichte einzige Langspielplatte der Band aus dem Jahr 1969 – im Grunde eine Kompilation ihrer zuvor veröffentlichten Singles und EPs – bietet einen faszinierenden Einblick in eine spanische Musikszene, die ihrer Zeit weit voraus war. Was LOS Z-66 von vielen ihrer Zeitgenossen abhob, waren ihre einzigartigen Lebensumstände. Ihre Basis auf Mallorca verschaffte ihnen privilegierten Zugang zu importierten Platten, die im Rest Spaniens kaum erhältlich waren. Dieser kulturelle Vorsprung, gepaart mit der kosmopolitischen Atmosphäre der Insel, führte dazu, dass sie nicht nur die üblichen Hits coverten. Der entscheidende Wendepunkt in ihrer Karriere – zu ihrem unverwechselbaren Sound – war jedoch ihre Rolle als Hausband im Club „Sgt. Pepper’s“. Der Manager von Jimi Hendrix, Mike Jeffries, buchte sie. Die Legende besagt, dass Hendrix selbst bei der Eröffnung auftrat und der Band ein Fuzz Face-Pedal schenkte. Dieses Geschenk veränderte ihren Sound nachhaltig. Der aggressive, verzerrte Fuzz verlieh ihrer ohnehin schon druckvollen Amalgamierung aus Soul, Pop und Psychedelia eine Schärfe, die auf der nationalen Bühne Spaniens selten zu hören war. Das Album selbst präsentiert diese musikalische Vielfalt eindrucksvoll. Es ist ein kraftvoller Mix aus englischsprachigen Hits und deren spanischen Adaptionen, die nahtlos ineinandergreifen. Tracks wie „Noches de blanco satén“ („Nights in white satin“ von MOODY BLUES) und „Todos hablarán“ („Everybody knows“) werden mit einer Intensität dargeboten, die das Original oft in den Schatten stellt. Die Bandbreite ist beachtlich: Vom treibenden „Carrera del diablo“ („Race with the devil“) bis zum bluesigen „Morning dew“ („Rocío de la mañana“) beweisen sie eine beeindruckende stilistische Sicherheit. Die nun vorliegende Edition wurde um Bonustracks ergänzt, durch ein informatives Booklet mit Fotos und Notizen aus der Ära aufgewertet.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Gereon Helmer